Wirtschaft : Aral: Konzern leidet unter Preiskampf an den deutschen Tankstellen

Durch den anhaltenden Preiskampf an den deutschen Zapfsäulen ist der Bochumer Aral-Konzern in die roten Zahlen gerutscht. Für das Geschäftsjahr 2000 habe das zum Eon- Konzern gehörende Unternehmen nach Verlusten "in dreistelliger Millionenhöhe" im Tankstellengeschäft das schlechteste Ergebnis der vergangenen 15 Jahre erzielt, sagte Aral-Vorstandschef Günter Michels am Mittwoch in Bochum. Genaue Zahlen nannte Michels jedoch nicht.

Durch den in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Zusammenschluss der Aral-Konkurrenten Shell und Dea erwarte der Bochumer Mineralölkonzern keine weitere Verschärfung des ohnehin bereits harten Wettbewerbs, sagte Michels. Durch die neue Shell Dea Oil GmbH mit bundesweit insgesamt 3200 Stationen wird Aral mit derzeit 2562 Tankstellen im Inland von seinem bisherigen Spitzenplatz im deutschen Tankstellenmarkt verdrängt. "Größe allein ist kein Maßstab, entscheidend ist die Effizienz", so der Aral-Chef.

Trotz der Belastungen durch die Tochtergesellschaft Aral konnte die Gelsenkirchener Muttergesellschaft Veba Oel AG ihr Konzernergebnis vor Steuern im zurückliegenden Jahr von 310 Millionen Euro auf 733 Millionen Euro (1,42 Milliarden Mark) mehr als verdoppeln, berichtete das Unternehmen am Mittwoch in Gelsenkirchen. Gute Ergebnisse erzielte Veba Oel dabei vor allem bei der Öl- und Gasförderung sowie bei den Raffinerien und der Mineralölverarbeitung.

Im Geschäftsjahr 2000 hatte Veba Oel durch den Kauf der Mobil-Anteile die Kontrolle bei Aral übernommen. Vor allem durch die Übernahme der Vertriebsaktivitäten der Veba Oel konnte Aral Absatz und Umsatz einschließlich der Mineralölsteuer im vergangenen Jahr auf 25,17 Milliarden Tonnen beziehungsweise 20,4 Milliarden Euro (knapp 40 Milliarden Mark) verdoppeln.

Autofahrer müssen im Jahr 2001 nicht mit weiter steigenden Benzinpreisen rechnen. Für das laufende Jahr erwartet der Aral-Chef an den Zapfsäulen keine durchgreifende Änderung. Seit Jahresbeginn gab es nach seinen Angaben insgesamt 22 Preiserhöhungen, die dann aber wieder zurückgenommenen wurden. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Preiskampf derzeit wieder "etwas abgeebbt", sagte Michels. Viele Tankstellen hätten jedoch nach wie vor Probleme, sich in dem harten Wettbewerb zu behaupten, so dass mittelfristig mit einer Schließung von 3000 bis 4000 Stationen der bundesweit insgesamt rund 16 000 Tankstellen gerechnet werde. Viele der hoch verschuldeten Tankstellenunternehmer könnten jedoch nicht schließen, da derzeit für die Stationen keine Käufer zu finden seien. Abhilfe könnte dabei ein Ausstiegsfonds bieten, in den alle gleichermaßen einzahlten, schlug der Aral-Chef vor.

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