Wirtschaft : Arbeit: Amt ohne Grenzen

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Wenn einmal von einem Tag auf den anderen in Deutschland Vollbeschäftigung herrschen sollte, wären die 87000 Mitarbeiter der Arbeitsämter dennoch nicht ohne Job. Ein Teil von ihnen betreut nämlich nicht Arbeitslose, sondern bekämpft Schwarzarbeit oder berechnet Kindergeld. Seit dem Vermittlungsskandal Anfang 2002 ist bekannt, dass sich nur wenige Behördenmitarbeiter mit der ArbeitslosenVermittlung beschäftigen – derzeit 12500 Leute.

Kein Wunder, dass die Berater im Arbeitsamt sich nicht intensiv um ihre „Kunden“ kümmern können. Auf einen Vermittler kommen im Schnitt mehr als 350 Arbeitslose. Experten sind sich einig: Wenn Arbeitslose intensiver betreut würden, könnten sie schneller in offene Stellen vermittelt werden. Das würde in der Arbeitslosenversicherung Geld sparen. Aber viele der Beamten und Angestellten sind immer noch mit aufwändigen Verwaltungsakten beschäftigt. Die Zahlung pauschaler Leistungen könnte Entlastung bringen. Ein vernünftiger Betreuungsschlüssel wäre ein Verhältnis von 1:75. Laut Wirtschaftsministerium müssten dafür 12000 neue Vermittler eingestellt werden. Das könnte sich lohnen: Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Peter Grottian könnten Arbeitsämter mehr offene Stellen besetzen, wenn sie besser vermitteln würden. Der FDP-Arbeitsmarktexperte Dirk Niebel spricht sich dagegen für Umschichtungen innerhalb des Personals aus, statt neue Mitarbeiter einzustellen.

Trotz des begonnenen Umbaus ist die Bundesanstalt für Arbeit immer noch damit beschäftigt, nicht nur die Arbeitslosen, sondern auch sich selbst zu verwalten. Neben der Zentrale in Nürnberg gibt es zehn Landesarbeitsämter sowie 181 Arbeitsämter mit 660 Geschäftsstellen. Von den Gesamtausgaben in Höhe von 53 Milliarden Euro fließen allein 4,4 Milliarden (acht Prozent) in die Verwaltung, davon 3,4 Milliarden ins Personal (6,5 Prozent). ce

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