Arbeiten im Ruhestand : Senioren als Entwicklungshelfer

Die Stiftung „Senior Experten Service“ vermittelt Ruheständler, die ihr Fachwissen weitergeben wollen, ins In- und Ausland.

In Ägypten. Monika Kuppler war als Expertin der Textilbranche im Dienst. Foto: SES
In Ägypten. Monika Kuppler war als Expertin der Textilbranche im Dienst. Foto: SES

Wer in den Ruhestand geht, muss seine Fähigkeiten aus dem Arbeitsleben nicht automatisch einmotten. Erfahrung und Wissen, erworben in langen Berufsjahren, werden gebraucht. Eine Möglichkeit, sich zu engagieren, ist zum Beispiel der Senior Experten Service (SES). Dahinter verbirgt sich eine Stiftung und gemeinnützige Gesellschaft, die Menschen im Ruhestand unterstützt, die ihr Expertenwissen im Ausland, aber auch in Deutschland weitergeben möchten. 10 000 Experten sind dort derzeit registriert und leisten Hilfe zur Selbsthilfe in rund 2500 Einsätzen pro Jahr. Das Credo des SES lautet „Zukunft braucht Erfahrung!“

Senior Experten helfen bei der Aus- und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften in über 50 Branchen. Sie arbeiten vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen, Einrichtungen zur Berufsbildung und im Gesundheitswesen. Auch Organisationen und Institutionen wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) setzten auf die Unterstützung der Experten. Ihre Einsätze dauern in der Regel drei bis sechs Wochen, maximal aber sechs Monate.

Wer Senior Experte werden will, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Bewerber müssen bereits im Ruhestand sein und langjährige Berufserfahrung in einem technischen, handwerklichen, kaufmännischen, medizinischen oder sozialen Beruf mitbringen.

Wer die Sprache eines Einsatzlandes spricht, wird bevorzugt vermittelt, und natürlich müssen die Experten manchmal gewisse körperliche Anforderungen erfüllen: In die Tropen kann nicht jeder, aber Einsätze in Deutschland bekommen die meisten. Auf seiner Webseite veröffentlicht der SES eine Liste der Experten, die gerade dringend benötigt werden und somit gute Chancen auf einen schnellen Einsatz haben.

Entlohnt werden die Senior Experten für ihr Engagement nicht. Senior Experten arbeiten ehrenamtlich. Kost und Logis werden gestellt und jeder Aktive bekommt eine kleine Tagespauschale von etwa fünf Euro. Außerdem organisiert der SES die An- und Abreise und übernimmt alle nötigen Versicherungen für die Experten. Alle anfallenden Kosten werden vom SES übernommen. Die Registrierung auf der Webseite ist kostenlos. Allerdings muss sich jeder Senior Experte an bestimmte Regeln halten, damit zum Beispiel die Reisekosten komplett übernommen werden. Erstattet werden nur Bahnreisen in der zweiten Klasse, Autofahrten über hundert Kilometer werden nur in Ausnahmefällen übernommen.

Den Einsatzort können sich Bewerber nicht selbst aussuchen. Bei der Registrierung kann zwar jeder seine Wunschziele angeben. Allerdings gibt es keine Garantie, dass diese auch berücksichtigt werden. Die Experten werden je nach Bedarf versendet, jedoch besteht auch keine Verpflichtung, jeden Einsatz anzunehmen.

Wer sich bewerben will, kann auf der Webseite des SES den Registrierungsbogen herunterladen und sich dann per Mail, Post oder Fax anmelden. Nach der Registrierung heißt es dann: warten auf den Einsatz. Ein Mitarbeiter des SES meldet sich, sobald dann eine passende Aufgabe ansteht. AFP

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