Wirtschaft : Arbeiten statt Warten

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Wer in einer Warteschlange steht, etwa bei der Post, hat viel Zeit zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen es verursacht, wenn Dutzende, Tausende, Millionen Bürger Tag für Tag in diversen Schlangen stehen und warten. Offizielle Daten helfen bei dieser Frage nicht weiter. Aber es erscheint realistisch, dass jeder Deutsche insgesamt 30 Minuten pro Woche wartet. Drei mal zehn oder sechs mal fünf Minuten, beim Bäcker, an der Supermarktkasse oder in der Bank.

Zur Ermittlung der volkswirtschaftlichen Kosten ziehen wir die Arbeitskosten heran. Dabei handelt es sich um die Bruttolöhne zuzüglich des Arbeitgeberanteils an den Sozialabgaben. Die durchschnittlichen Arbeitskosten betragen in Deutschland 26 Euro pro Stunde. Wenn eine Person also pro Woche eine halbe Stunde mehr arbeiten würde, statt zu warten, würde das die Summe aus Einkommen, Steuern und Sozialbeiträgen um 13 Euro erhöhen. Bei 52 Wochen pro Jahr sind das 676 Euro.

So viel Geld könnte eine Person zusätzlich pro Jahr zum Wachstum der Volkswirtschaft beitragen, wenn sie nicht die halbe Stunde pro Woche anstehen müsste. Aus der Sicht des einzelnen Arbeitnehmers ist der Betrag geringer, da er nicht die Arbeitskosten, sondern nur den Nettolohn ausgezahlt bekommt. Dieser entspricht im Schnitt etwa der Hälfte der Arbeitskosten, also 338 Euro jährlich.

Wenn nun alle 39 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland eine halbe Stunde pro Woche arbeiten statt warten, könnte sich das Bruttoinlandsprodukt im Jahr um 26 Milliarden Euro erhöhen. Bei dem derzeitigen Niveau von 2,2 Billionen Euro entspräche das einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent. Zudem sind nur 68 Prozent der Bundesbürger zwischen 15 und 64 Jahren erwerbstätig, dabei zählt Deutschland aber 57 Millionen Menschen im Erwerbsalter. Würden die restlichen 18 Millionen auch die eine halbe Stunde arbeiten, entspräche das insgesamt einem Wachstum von 1,8 Prozent.

Fragt sich nur, wo die Arbeitsplätze herkommen sollen. Nun – die Supermärkte könnten mehr Kassierer einstellen, um die Wartezeit der Kunden zu verkürzen.

Friedrich Geiger entwirft

ein Konjunkturprogramm

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