Arbeiten während der WM-Spiele? : Erst der Müll, dann das Schland

Die BSR fegt weiter, auch für andere Berliner Beschäftigte ändert sich während der WM wenig. Siemens plant immerhin TV-Übertragungen im Pausenraum.

Susanne Grautmann
Pause? Die Mitarbeiter müssen sich einigen.
Pause? Die Mitarbeiter müssen sich einigen.dpa

Schüler müsste man sein. Dann dürfte man darauf hoffen, dass sich der Arbeitsbeginn angesichts der Fußball-Weltmeisterschaft (WM) ab dem 12. Juni in Brasilien verschiebt. Wenn die Spiele am Vorabend sehr spät ausgestrahlt werden, müssen die Schüler an vielen Schulen in Berlin und Brandenburg erst ab der zweiten oder dritten Stunde in ihren Bänken sitzen. Die Beschäftigten an den Werkbänken Berliner Unternehmen können von einem derartigen Sommermärchen allerdings nur träumen.

Bei der Berliner Stadtreinigung BSR und den Berliner Verkehrsbetrieben BVG ist man sich einig: Der Dienst am Kunden geht vor, da kann man keine Rücksicht auf das Fußballfieber der Mitarbeiter nehmen. „Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass die Stadt auch während der WM zuverlässig sauber gehalten wird“, heißt es bei der BSR. Auch bei den Verkehrsbetrieben steht die Pflicht an erster Stelle: „Unsere Kollegen verzichten darauf, damit die Kunden zu den Übertragungen der Spiele fahren können“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Grundsätzlich wollen beide Unternehmen ihren Mitarbeitern aber ermöglichen, ihre Schichten untereinander zu tauschen. Wer dabei kein Glück hat, der kommt bei der BVG immerhin in den Genuss eines WM-Sonderservices: Die Spielstände der Deutschland-Partien werden durchgesagt. Ab dem Halbfinale gilt das auch für alle anderen Spiele. Sofern die deutsche Elf das Finale erreicht, wird sogar jedes einzelne Tor verkündet.

Während man bei der BVG die Spielstände nur hören kann, können Siemens-Mitarbeiter die Begegnungen auch sehen. In dem Unternehmen gibt es für den arbeitenden Teil der Belegschaft „Public Viewing“ – im Pausenraum.

Aber was ist, wenn man die Spiele lieber zu Hause sehen möchte oder in der Kneipe? Die meisten Betriebe verlassen sich darauf, dass sich die Mitarbeiter untereinander einigen und Schichten tauschen – schließlich ist nicht jeder ein glühender Fußballanhänger. Rechtlich gesehen haben Arbeitnehmer ohnehin keinen Anspruch darauf, dass die Arbeitszeiten wegen der WM verändert werden, sagt Marta Böning, Arbeitsrechtlerin beim Deutschen Gewerksschaftsbund (DGB). Im Gegensatz zu religiösen Festen sei die Wahrnehmung von fußballerischen Interessen nicht durch das Grundgesetz geschützt.

Deshalb wirbt der DGB für einvernehmliche Lösungen auf betrieblicher Ebene. Falls sich die Mitarbeiter nicht einigen, könnten sie zwar den Betriebsrat einschalten. Aber auch der kann nur versuchen, allgemeine Regeln für alle durchzusetzen – etwa dass sich die Mitarbeiter abwechseln müssten, so dass jeder mal in den Genuss eines freien Abends oder eines späteren Arbeitsbeginns komme.

Spannend bis zur letzten Minute bleibt es für die Beschäftigten im BMW-Werk Spandau. Die Chefs in München haben es den einzelnen Werken freigestellt, ob sie die Spätschichten für die Spiele unterbrechen oder verkürzen wollen oder ob der Betrieb normal weiterläuft. Das Werk Regensburg hat das Angebot angenommen und unterbricht die Produktion, Leipzig arbeitet durch. In Spandau setzt man dagegen auf den allgemeinen Berliner Trend und lässt sich Zeit mit der Entscheidung. Zwei Wochen vor WM-Beginn ist noch nicht klar, ob die Bänder stoppen werden oder nicht. Es bleibt spannend – schon vor dem Anpfiff. 

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