Wirtschaft : Arbeiter wollen von der Bundesregierung unterstützt werden

Auch andere EU-Länder können mit den hochsubventionierten Schiffen aus Asien nicht mithalten

Mit zahlreichen Aktionen haben Werftarbeiter in zwölf Ländern und rund 70 Standorten in Europa gegen Billigangebote südkoreanischer Schiffbauer protestiert. In Hamburg versammelten sich auf der Werft Blohm und Voss 1400 Arbeiter zu einer Demonstration bei Dock 17. Auch in Kiel, Rostock und anderen Werftstandorten ruhte zeitweilig die Arbeit. Die europäischen Metallgewerkschaften wollen mit dieser Aktion den Druck auf die Brüsseler EU-Kommission erhöhen, damit diese Maßnahmen gegen die ruinöse Preiskonkurrenz der Koreaner ergreift.

In Kiel protestierten über 2000 Menschen auf dem Gelände der Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW). Der Vorstandsvorsitzende von HDW, Dirk Rathjens, sagte: "Unsere Geduld ist am Ende." Die südkoreanischen Werften verkaufen nach seinen Angaben Schiffe zu Preisen, die um 20 Prozent und mehr unter den Herstellungskosten liegen. Die Werften in Südkorea seien pleite und erhielten Stützungskredite der Regierung. Man dürfe nicht länger hinnehmen, dass die Praktiken der koreanischen Werften - unterstützt durch Gelder des Internationalen Währungsfonds - zu unfairen Wettbewerbsbedingungen gegenüber den Werften in Deutschland und Europa führten. Zudem würden die Koreaner nun zunehmend in Bereiche vordringen, die bislang von den Europäern dominiert waren - etwa in die Fertigung von Passagier- und Spezialschiffen. Rathjens forderte die Bundesregierung auf, eine Wirtschaftspolitik zu betreiben, die die maritime Industrie ernst nehme.

Der Bezirksleiter der IG Metall, Frank Teichmüller, sagte, "wir erwarten, dass Europa nicht nur redet, sondern auch handelt". Als wichtiges Signal bezeichnete es der Gewerkschafter, dass in Deutschland die Wettbewerbshilfe für den Schiffbau nun doch nicht gestrichen werde. Von Brüssel forderte er, die EU müsse die maritime Industrie ebenso fördern wie die Luft- und Raumfahrt.

Ministerpräsidentin Heide Simonis kritisierte auf der Veranstaltung, dass die neue Bundesregierung genau den gleichen Fehler mache wie die alte. Erst werde die Wettbewerbshilfe gestrichen, um dann nach stundenlangen Verhandlungen doch wieder im Haushalt eingestellt zu werden. "Das Spielchen haben wir satt", meinte die SPD-Politikerin. Sie wies daraufhin, dass Zulieferbetriebe für die Werften auch in Bayern und Baden-Württemberg sitzen.

In Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich Mitarbeiter und Geschäftsführungen der Kvaerner Warnow Werft Rostock, der Aker-Werft Wismar, der Volkswerft Stralsund, der Peene-Werft Wolgast und von Zulieferunternehmen mit einer Gesamtbelegschaftsstärke von über 5000 Beschäftigten am Aktionstag. Schwerins Wirtschaftsminister Rolf Eggert sicherte bei der Kundgebung in Rostock den Schiffbauern die "uneingeschränkte Verbundenheit und Solidarität" der Landesregierung zu.

Auch in anderen europäischen Staaten, in Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Portugal und Spanien beteiligen sich Werftarbeiter nach Angaben der Gewerkschaften mit lebhaften Protesten an der Aktion. Mit von der Partie waren dabei auch die Arbeitgeber. Sie teilen die Einschätzung der Gewerkschaften, wonach Südkorea eine unfaire Preispolitik betreibt.

Korea muss nach Ansicht von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel "zur Aufgabe illegaler Wettbewerbspraktiken" gebracht werden. In den 90er Jahren habe das Land die Schiffbaukapazitäten deutlich ausgebaut. Aufgrund der so geschaffenen Überkapazitäten seien die Preise massiv unter Druck geraten. Ein Containerschiff mit einer Kapazität von 3500 Stellplätzen habe 1993 noch 70 Millionen Dollar gekostet, 1997 habe der Preis bei 53 Millionen Dollar gelegen und heute sei ein solches Schiff bereits für 42 Millionen Dollar zu kaufen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar