Wirtschaft : Arbeitgeber rechnen nicht mit Arbeitsmarktreform vor 2003

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Die Arbeitgeber erwarten in absehbarer Zeit keine Reform des deutschen Arbeitsrechts. "Ich bin skeptisch, dass in dieser Legislaturperiode noch etwas passiert", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Montag in Berlin. Mit Blick auf den regulierten deutschen Arbeitsmarkt und die hohen Lohnzusatzkosten meinte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, er habe zwar "Grund zur Hoffnung, dass der Kanzler dies sieht". Doch eine grundlegende Reform werde wohl erst nach der Bundestagswahl angepackt. Hundt äußerte sich anlässlich der Vorstellung einer Studie mit dem Titel "Der Arbeitsmarkt auf dem Prüfstand", die das dimap Institut für Markt und Politikforschung im Auftrag der BDA und der Wirtschafsprüfung KPMG durchgeführt hatte. Die wichtigsten Ergebnisse: 68 Prozent der befragten 1000 Unternehmen haben Probleme, geeignetes Personal zu bekommen; im Dienstleistungsbereich sind es sogar drei Viertel aller Unternehmen. Die Bundesanstalt für Arbeit konterte diese Angaben mit der Zahl der Vermittlungen. Behördensprecher Roland Schütz sagte auf Anfrage, in den ersten zehn Monaten 2001 seien von den Arbeitsämtern 3,2 Millionen Personen auf einen neuen Arbeitsplatz vermittelt worden. "Wir haben ein Defizit an Stellen, aber kein Defizit an geeigneten Bewerbern", sagte Schütz. Im Übrigen sei schwer zu definieren, was ein "geeigneter" Arbeitnehmer sei.

Harald Wiedmann, Sprecher des Vorstands von KPMG Deutschland, sprach dagegen von einer "dramatischen Schieflage zwischen der hohen Arbeitslosigkeit und der Schwierigkeit vieler Unternehmen, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden". Als Hauptursachen für die schwierige Besetzung freier Stellen gaben zwei Drittel der befragten Unternehmen die mangelnde Qualifikation der Bewerber an; 24 Prozent beklagen die geringer Mobiliätsbereitschaft und jedes fünfte Unternehmen habe nach eigenen Angaben schon einmal die Erfahrung gemacht, "dass Bewerber an den angebotenen Stellen kein Interesse hatten", sagte Wiedmann.

Für rund 80 Prozent der Unternehmen hat die Senkung der Lohnnebenkosten höchste Priorität und sei "eine zentrale Voraussetzung, um neue Arbeitsplätze zu schaffen". Während die eigentlichen Löhne und Gehälter seit 1972 nur um das Zweieinhalbfache zulegten, seien die Personalzusatzkosten im gleichen Zeitraum um mehr als das Vierfache gestiegen. Vor diesem Hintergrund bekräftige Hundt die Forderung nach einer Reform der Sozialsysteme.

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