Wirtschaft : Arbeitgeber wollen 2,1 Prozent zahlen

IG Metall spricht von Provokation / Streiks beginnen

Berlin - Mit einem Angebot von 2,1 Prozent haben die Metallarbeitgeber am Donnerstag die nächste Runde der Tarifverhandlungen eröffnet. Die IG Metall reagierte enttäuscht. Das Angebot sei „unanständig, weil es für die Arbeitnehmer Reallohnverlust bedeutet“, sagte Gewerkschaftschef Berthold Huber der „Bild“- Zeitung. Das würge die Konjunktur ab. Huber kündigte heftige Warnstreiks an. „Ohne Arbeitsniederlegungen sehe ich keine Lösung“, sagte er. Da die nächsten Verhandlungen in Baden-Württemberg erst für den 11. November angesetzt sind, wird es in der kommenden Woche zu flächendeckenden Ausständen kommen. Die Gewerkschaft will acht Prozent mehr Geld für die rund 3,6 Millionen Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie.

Das Angebot der Arbeitgeber teilt sich auf in zwei Komponenten. In diesem Jahr, für die Monate November und Dezember, soll es eine Einmalzahlung in Höhe von 0,8 Prozent eines Jahreseinkommens geben. Die Hälfte dieses Betrags kann aber gekürzt oder sogar gestrichen werden, wenn es der jeweiligen Firma schlecht geht und der Betriebsrat der Kürzung/Streichung zustimmt. Zum 1. Januar schlagen die Arbeitgeber eine Erhöhung der Tarifentgelte um 2,1 Prozent vor. Diese 2,1 Prozent „ gleichen die erwartete Inflationsrate aus und sichern somit in einer schwierigen wirtschaftlichen Phase den Reallohn“, heißt es in einer Mitteilung des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 14 Monaten, also bis Ende 2009 haben.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser bewertete den Vorschlag als „fairen Beitrag für mehr Stabilität und Sicherheit“. Da vor den Firmen „eine schwierige Wegstrecke“ liege, sei es wichtig, „die Kosten im Zaum zu halten“. Sowohl der Absatz als auch das Preisniveau für die Betriebe würden 2009 sinken, argumentierte Kannegiesser, deshalb sei eine deutlichere Lohnerhöhung nicht drin.

IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann bewertete das Angebot als „völlig unzureichend“. Die Beschäftigten würden provoziert und nicht „an der hervorragenden Ertragslage“ der Firmen beteiligt. Nicht einmal die Inflationsrate werde ausgeglichen. Derzeit liegt die Preissteigerung in Deutschland bei 2,4 Prozent. Eine Einmalzahlung für November und Dezember lehnte er ab: „Wir brauchen für das glänzende Jahr 2008 tabellenwirksame Erhöhungen. Einmalzahlungen wären Sand in den Augen der Beschäftigten.“

IG-Metall-Chef Huber hatte zuvor gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“ einen Tarifabschluss von unter vier Prozent ausgeschlossen und eine deutliche Lohnerhöhung als wichtige Stütze für die Binnenkonjunktur verteidigt. Auf die Frage, ob eine Vier vor dem Komma wegen der Finanzkrise noch zu erreichen sei, sagte Huber: „Darunter würde ich es sowieso nicht machen“.

Die Berliner IG Metall kündigte an, dass die Nachtschichten des Osram-Glaswerks und der Osram-Lampenfabrik in Siemensstadt zu befristeten Arbeitsniederlegungen in der Nacht zum Sonnabend aufgerufen worden seien. Am 31. Oktober endet die Friedenspflicht, ab dann darf also gestreikt werden. alf

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