Wirtschaft : Arbeitgeber wollen Ostlöhne im Westen

Dieter Hundt: Höhere Einkommen bringen nicht mehr Kaufkraft/ Weitere Öffnungsklauseln gefordert

Alfons Frese

Berlin - Die Arbeitgeber haben die Tarifabschlüsse des vergangenen Jahres gelobt und gleichzeitig weitere Lohnzurückhaltung und die Bereitschaft zu längerer Arbeitszeit gefordert. „Der Verteilungsspielraum ist außerordentlich gering“, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Montagabend in Berlin. Er regte eine Angleichung der Einkommen und Arbeitszeiten im Westen an die Bedingungen im Osten an. Das sei „eine gute Idee“. Höhere Löhne zum Anschieben der Binnennachfrage lehnte Hundt ab. „Wir müssen uns davon verabschieden, mit Einkommenserhöhungen die Kaufkraft erhöhen zu wollen.“ Der Präsident der Vereinigung der Arbeitgeberverbände räumte zwar eine Entspannung bei den Lohnstückkosten ein, die das Verhältnis von Arbeitskosten und Produktivität wiedergeben. „Doch der Wettbewerb durch Osteuropa wird immer größer“, sagte Hundt.

Von seinem eigenen Unternehmen, dem Automobilzulieferer Allgaier, verlangen etwa die Autohersteller bei diversen Aufträgen inzwischen Nachlässe von bis zu 40 Prozent. Alles in allem, so Hundt, müssten sich die Gewerkschaften auf weitere Öffnungsklauseln einlassen, damit in den Firmen selbst über Arbeitszeit und Weihnachts- und Urlaubsgeld entschieden werden könne. Er begrüßte ausdrücklich, dass „in vielen Betrieben für das gleiche Geld mehr gearbeitet wird“. Vor allem in der Metallindustrie, der auch Hundts Unternehmen angehört, sei auf Grund des „massiven Kostendrucks“ der Trend zum Unterlaufen des Tarifvertrags groß.

In dem Zusammenhang kritisierte der Arbeitgeberpräsident die Tariferhöhungen in der Metallbranche von 2,2 Prozent im letzten und 2,7 Prozent in diesem Jahr. „Für viele Unternehmen ist das nicht mehr zu schultern.“ Die Umlaufrendite liege im Mittelstand „etwas über zwei Prozent“ und sei „bei weitem nicht ausreichend, um ein Unternehmen langfristig zu sichern und Arbeitsplätze zu schaffen“. Die IG Metall wiederum verweist auf Produktion und Produktivität in der Branche. Danach stiegen die Umsätze im vergangenen Jahr um rund sieben Prozent und Produktion und Produktivität um gut fünf Prozent. Für das laufende Jahr erwartet die Gewerkschaft eine Produktivitätssteigerung von drei bis fünf Prozent. Entsprechend problemlos sei die anstehende Tariferhöhung von den Firmen zu schultern, argumentiert die Gewerkschaft.

Arbeitgeberchef Hundt lobte die IG Metall für die vor einem Jahr in Pforzheim beschlossenen Öffnungsklauseln und kritisierte gleichzeitig die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, „die bisher eine solche Öffnungspolitik blockiert“. Das betreffe zum Beispiel den Handel und die Druckindustrie. Verdi-Tarifpolitiker Gerold Haag wies das zurück. „Was Hundt will, sind Tarifrabatte. Das gibt es mit uns nicht.“ Wenn jedoch ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerate, sei Verdi unter Umständen zu Abweichungen vom Tarif bereit. „Wir blockieren nicht“, wie auch die Sparmaßnahmen bei Karstadt-Quelle zeigten. Im vergangenen Jahr hatte sich Verdi mit dem Karstadt-Management unter anderem auf die Stundung von Zahlungen geeinigt.

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