Arbeitnehmer : Schwimmen muss niemand

Eigentlich klingt das herrlich. Obwohl der Urlaub vorbei ist, kann man – der Wolke sei Dank – noch einige Tage länger auf der Ferieninsel bleiben, ohne dass der Chef etwas dagegen tun kann. Was für Arbeitnehmer im Zwangsurlaub gilt.

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BerlinSo paradiesisch einfach liegen die Dinge nicht: „Der Arbeitnehmer muss alles tun, was in seiner Macht steht, um nach Hause zu kommen“, warnt Karsten Biesel, Arbeitsrechtsexperte in der Berliner Anwaltskanzlei Schellenberg Unternehmeranwälte. Statt faul am Strand zu liegen, muss er notfalls auf eigene Kosten per Zug, Bus oder Schiff nach Deutschland zurückkehren, wenn der Arbeitgeber darauf besteht. Wie viel Aufwand man betreiben muss, hängt jedoch von dem Job ab. „Je wichtiger die Arbeit, desto höher die Anforderungen“, berichtet der Jurist.

Tatsächlich dürften sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den meisten Fällen auf halber Strecke treffen: Wer am Urlaubsort festsitzt und deshalb nicht pünktlich zur Arbeit kommen kann, kann mit dem Personalbüro vereinbaren, dass Überstunden abgebaut oder Urlaubstage abgezogen werden. Geht das nicht, erhält er für die verlängerten Ferientage keinen Lohn. Wichtig ist, dass der Arbeitnehmer seinem Chef Bescheid sagt. Spätestens zu dem Zeitpunkt, zu dem üblicherweise die Arbeit aufgenommen wird, muss der Arbeitgeber informiert sein, warnt Martina Perreng, Arbeitsrechtlerin beim Deutschen Gewerkschaftsbund. Wer das befolgt, ist schon mal auf der sicheren Seite. Abmahnungen oder Kündigungen muss der Arbeitnehmer nicht befürchten, „ihn trifft ja an der Verzögerung kein Verschulden“, betont Perreng. Und auch der Aufwand, den man betreiben muss, um nach Hause zu kommen, ist nicht grenzenlos. „Einen Helikopter muss niemand chartern“, sagt Anwalt Biesel, „und übers Meer schwimmen muss man auch nicht.“

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