Wirtschaft : Arbeitsämter: Intensiv-Vermittlung geplant

Die Bundesanstalt für Arbeit plant eine so genannte Intensiv-Vermittlung für Langzeitarbeitslose. Sie wolle damit die Chance von schwer Vermittelbaren deutlich verbessern, teilte der Präsident der Nürnberger Bundesanstalt, Bernhard Jagoda, am Donnerstag in Nürnberg mit. Dabei sollen Jobangebote individueller abgestimmt, alle Fördermöglichkeiten ausgenutzt und ein verbindlicher Eingliederungsplan für die Erwerblosen erstellt werden. Erprobt werde dieses Modell seit Herbst 2000 in Bochum, Karlsruhe und Oldenburg, sagte Jagoda. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen hatte im März bei 32,8 Prozent gelegen.

Das neue Vermittlungskonzept solle dabei möglichst frühzeitig ansetzen, damit Erwerbslose mit bestimmten Risiko-Merkmalen gar nicht erst zu Langzeitarbeitslosen würden, erläuterte die Bundesanstalt. In die selbe Richtung ziele das demnächst startende Konzept "Job-Action". Dabei sollen Erwerbstätige, denen die Arbeitslosigkeit droht, mit einer speziellen Informations-Mappe auf Fort- und Weiterbildungs-Angebote der Arbeitsämter aufmerksam gemacht werden. Die Kampagne solle in den nächsten Wochen in zehn Arbeitsamtsbezirken starten, informierte ein Sprecher der Bundesanstalt. Zugleich warnte Jagoda vor "Pauschalurteilen" über mangelnde Arbeitsbereitschaft und -fähigkeit von Arbeitslosen. "Ein erheblicher Teil derer, die sich Jahr für Jahr arbeitslos melden, findet schnell wieder Arbeit", unterstrich der Präsident. So seien im Jahr 2000 zwar 6,9 Millionen Menschen arbeitslos geworden. 7,2 Millionen hätten sich aber beim Arbeitsamt wieder abgemeldet. 34 Prozent der gemeldeten Erwerbslosen habe nach drei Monaten, 59 Prozent nach einem halben Jahr einen Job gefunden. Vier von fünf seien nach spätestens nach einem Jahr wieder in Lohn und Brot gewesen.

Der Hauptgrund der Arbeitslosigkeit ist nach Jagodas Worten weiterhin der Mangel an Arbeitsplätzen. Gleichwohl dürfe man Arbeitslose nicht in Watte packen - "und das tun wir auch nicht", hob er mit Blick auf die aktuelle Diskussion über stärkere Daumenschrauben für Arbeitslose hervor. Wie überall gebe es auch unter den Arbeitslosen "Drückeberger". Sie seien zwar nicht genau statistisch zu erfassen, insgesamt sei ihre Zahl aber gering.

Zur Diskussionen über die Verhängung von Sperrzeiten im Fall von "Drückebergern" unter den Arbeitslosen warnte Jagoda vor "Missverständnissen": "Wo ein wichtiger Grund vorliegt, muss das Arbeitsamt eine Sperrzeit verhängen", dazu müssten sie aber auch entsprechende Stellen anbieten können.

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