Wirtschaft : Arbeitsamt soll Unternehmen feste Kontaktstellen bieten

NAME

Berlin (ce). Für größere Unternehmen soll es künftig feste Ansprechpartner in den Arbeitsämtern geben. Diese Beschäftigungsberater sollen den Kontakt zu den Arbeitgebern effektiver gestalten - dafür sollen sie auch im Außendienst tätig sein. So lautet einer der Vorschläge aus der Regierungskommission zur Reform der Bundesanstalt für Arbeit (BA). Derzeit arbeiten Unternehmen und Arbeitsämter oft unbefriedigend zusammen. Die Behörden beschweren sich, dass die Betriebe nicht alle offenen Stellen bei ihnen melden. Die Unternehmen fühlen sich bei den Arbeitsämtern nicht gut aufgehoben, weil diese ihnen keine geeigneten Bewerber vermitteln.

Unter der Leitung von VW-Personalvorstand Peter Hartz erarbeiten Politiker, Berater, Gewerkschaftsvertreter und Unternehmer Vorschläge für eine Reform der Arbeitsämter. Nach dem Skandal über geschönte Vermittlungszahlen sollen Arbeitslosenverwaltung und -vermittlung stark umgebaut werden. Den Abschlussbericht will die Kommission Mitte August vorlegen, einen Monat vor der Bundestagswahl.

Der Vorschlag, in den ersten ein bis drei Monaten der Erwerbslosigkeit ein pauschales Arbeitslosengeld in Höhe von 750 Euro auszuzahlen, stößt auf ein geteiltes Echo. Florian Gerster, Vorsitzender der Nürnberger BA, begrüßte die Idee. „Das könnte das Engagement, sich schnell einen neuen Arbeitsplatz zu suchen, stärken“, sagte Gerster in einem Interview. Wenn die Arbeitslosen die Pauschale nicht zurückzahlen müssten, auch wenn sie schon innerhalb der ersten Wochen einen neuen Job finden, könne die schnelle Suche forciert werden, heißt es in der Kommission. Die grüne Arbeitsmarktexpertin Thea Dückert hält die Pauschale darüber hinaus für ein „geeignetes Mittel, um die Leistungsgewährung weniger bürokratisch zu gestalten.“ Dückert fordert allerdings, dass ein Arbeitsloser nicht mehr vom Arbeitsamt erhalten dürfe, als er bei der Annahme einer Stelle verdienen würde. Sie schlägt vor, die Pauschale danach zu unterscheiden, ob vorher eine Voll- oder Teilzeitstelle ausgeübt wurde.

Kritiker in der Kommission wenden ein, mit einer Pauschale würden diejenigen benachteiligt, die wegen ihres hohen Gehalts derzeit ein höheres Arbeitslosengeld beziehen. Weitgehend einig sind sich die Kommissionsmitglieder, dass die Vermittler sich mehr ihrer eigentlichen Tätigkeit widmen sollten. Bis zu 50 Prozent der Zeit geht derzeit für Verwaltung drauf. Außerdem sollen sie verstärkt mit privaten Vermittlern zusammenarbeiten. Die Kommunikation zwischen den Arbeitssuchenden und ihren Vermittlern soll etwa über E-Mail und SMS erleichtert werden. Ein weiterer Vorschlag: Arbeitslose sollen sich am Computer in Selbstbedienungseinrichtungen über offene Stellen informieren können, die für sie geeignet sind. Call-Center könnten sie bei der Nutzung unterstützen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar