Wirtschaft : Arbeitsamt: Was ist eine Vermittlung?

In der Affäre um die fehlerhaften Vermittlungsstatistiken der Bundesanstalt für Arbeit (BA) spielt die Definition des Begriffs "Vermittlung" eine entscheidende Rolle. Dabei hat sich die Bundesanstalt nach Ansicht des Bundesrechnungshofes nicht an ihr eigenes Regelwerk gehalten.

In der Beschreibung der Bundesanstalt für Arbeit ist der Begriff "Vermittlung" nämlich nur dann zu verwenden, wenn das Arbeitsamt eine Stelle sowie einen passenden Bewerber auswählt und vermittelt. Ist das Amt nur indirekt beteiligt - durch Fortbildungen oder Umschulungen - darf dieser Fall, sagt der Rechnungshof, nicht als Vermittlungserfolg verbucht werden.

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Umfrage: Sollen Arbeitsämter privatisiert werden? Da sich in den vergangenen Jahren das Angebot der Arbeitsämter erweitert hat, "wirkte die BA jedoch an einer beachtlichen Zahl von Stellenbesetzungen mit, ohne dass dies als Vermittlung im klassischen Sinne gezählt werden konnte", schreibt der Bundesrechnungshof in seinem Prüfungsbericht. Diese dürften nicht in den Statistiken auftauchen. Denn in einem BA-Erlass aus dem Jahr 2000 heißt es: "Die Dienststellen sollten auf eine klare Trennung zwischen Vermittlung im klassischen Sinne und in der Stellenbesetzungen durch Mitwirken achten."

Da diese Trennung in der Praxis nicht umgesetzt wurde, ist der Bundesanstalt vor allem ihr eigenes Regelwerk zum Verhängnis geworden. Denn mit der Herausgabe konkreter Weisungen, wann welche Vorgänge in den Arbeitsämtern als Vermittlung zu gelten haben, hat die BA den Interpretationsspielraum selbst eingeengt.

Zu den unkorrekt verbuchten Vorgängen zählt auch ein Arbeitsverhältnis, das aus einem vom Arbeitsamt vermittelten Praktikum hervorgeht. Auch Bewerber, die ihren Job mit Hilfe des elektronischen Stellen-Informations-Service gefunden haben, dürften nach Ansicht des Rechnungshofs nicht in den Statistiken auftauchen. Weiter werfen die Kontrolleure der Bundesanstalt vor, dass die Arbeitsämter Vermittlungen verbuchten, nachdem Arbeitgeber für selbst gesuchte Bewerber Anträge auf Förderung gestellt hatten. Dabei hatten die Behörden weder die Stelle noch den Jobsuchenden ausgewählt oder vermittelt.

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