Arbeitsbedingungen : Gemeinnützig und überfordert

Studie: Ausgerechnet in sozialen Einrichtungen und gemeinnützigen Organisationen verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten mehr und mehr.

Berlin - Nach einer aktuellen Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) dominieren zunehmend atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeitjobs und befristete Arbeitsverträge den sogenannten Dritten Sektor. Der Bereich sei dabei, sich zu einem Niedriglohnsektor zu entwickeln. In Ostdeutschland seien bereits 16 Prozent der Erwerbstätigen im Dritten Sektor in Ein-Euro-Jobs beschäftigt.

Die Wissenschaft teilt die Gesellschaft in einen Ersten Sektor, den Staat, und einen Zweiten Sektor, die Privatwirtschaft, ein. Als Dritter Sektor werden Nonprofit-Organisationen wie Wohlfahrtsverbände, Alten- und Pflegeheime, Jugendzentren, Sport- und Hobbyvereine oder auch Initiativen und Projekte bezeichnet. Von 1996 bis 2008 schwankte die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Dritten Sektor zwischen 1,7 und 1,9 Millionen. Zählt man freie Mitarbeiter, geringfügig Beschäftigte, Praktikanten und Ein-Euro-Jobber hinzu, waren 2008 etwa 2,5 Millionen Menschen in diesem Bereich tätig.

Ziel der WZB-Studie war es, zu untersuchen, inwiefern die „verstärkte Ökonomisierung des Dritten Sektors Veränderungen in der Qualität der Beschäftigungsverhältnisse“ nach sich zieht. Ein Ergebnis: Der Anteil der Teilzeitbeschäftigung hat sich von 29 Prozent im Jahr 1996 auf 49 Prozent im Jahr 2008 erhöht. Auch der Anteil befristeter Stellen und geringfügig Beschäftigter (Minijobs) nimmt deutlich zu. Als einen Hauptgrund für die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse nennen die Berliner Wissenschaftler die veränderte staatliche Förderung. Es werde bei der Vergabe öffentlicher Mittel mehr auf betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte geachtet. Zudem sei der soziale Dienstleistungsmarkt für private Anbieter geöffnet worden. Der verschärfte Wettbewerb habe dazu geführt, dass sich viele Beschäftigte des Dritten Sektors zunehmend unter Leistungsdruck gesetzt fühlten, der sie überfordere. Außerdem seien die Mitarbeiter häufig unzufrieden, weil sie keine Planungssicherheit für ihre berufliche Zukunft hätten.

Als Beschäftigungsbereich wird der Dritte Sektor somit laut WZB immer unattraktiver. Dies gefährde Leistung und Qualität der Nonprofit-Organisationen. Beschäftigungspolitisch ist die Entwicklung nach Meinung des WZB bedenklich: Während in den 90er Jahren bei gemeinnützigen Organisationen zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden seien, stagniere der Bereich heute. „Der Dritte Sektor schafft demnach heute zwar keinen nennenswerte Zahl an neuen Arbeitsplätzen, ist aber auch nicht durch Arbeitsplatzverluste geprägt“, heißt es in der Studie. yss

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