Arbeitskampf beim Onlinehändler : Verdi streikt, Amazon liefert

Trotz neuer Arbeitskämpfe garantiert der Versandhändler Last-Minute-Käufern pünktliche Lieferung. Verdi lässt die Arbeit am kommenden Sonntag verbieten.

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Ausweitung. Zu den fünf Amazon-Standorten, die Verdi bislang bestreiken konnte, kam zuletzt noch Koblenz hinzu.
Ausweitung. Zu den fünf Amazon-Standorten, die Verdi bislang bestreiken konnte, kam zuletzt noch Koblenz hinzu.Foto: picture alliance / dpa

Amazon reagiert auf die Streiks. So jedenfalls lässt sich die Mitteilung des Onlinehändlers deuten, die Liefergarantie für die Weihnachtsbestellung auszuweiten. Statt bis Sonntagabend können Kunden nun bis Montagmittag ordern und sicher sein, dass die Ware Heiligabend unterm Baum liegt. Das jedenfalls ist das Versprechen des US-Konzerns an seine Kunden hierzulande.

Verdi verspricht das Gegenteil. „In den Versandzentren bleibt viel liegen“, sagte Stefanie Nutzenberger, bei der Gewerkschaft verantwortlich für den Handel. Neben dem Standort in Graben (Bayern) wird der Ausstand über diesen Sonnabend hinaus in Bad Hersfeld, Leipzig und Rheinberg (NRW) verlängert. An vier von acht Standorten in Deutschland soll bis zum 24. Dezember die Arbeit niedergelegt werden. Verdi teilte weiter mit, man habe bei den Verwaltungsgerichten Kassel und Leipzig Klage eingereicht gegen die von den Behörden für die Standorte Bad Hersfeld und Leipzig bewilligte Sonntagsarbeit am 21. Dezember. „Die eingereichte Klage entfaltet umgehend aufschiebende Wirkung, so dass Amazon an beiden Standorten bis auf Weiteres keine Sonntagsarbeiten durchführen lassen darf“, so Verdi.

Da die Versandzentren des Unternehmens abseits in Industriegebieten liegen, machen sich die Streikenden auch auf den Weg in die Innenstädte. In Leipzig und Berlin begaben sich am Donnerstag Mitarbeiter des Onlinehändlers auf verschiedene Weihnachtsmärkte, um den Passanten ihre Forderungen näher bringen, wie Verdi berichtet.

Streiks weiten sich aus

Seit dem Frühjahr 2013 versucht Verdi, Amazon zu Verhandlungen über eine Tarifbezahlung im Rahmen des Versand- und Einzelhandels zu bewegen. Der Onlinehändler ist jedoch nicht einmal zu Gesprächen bereit. Das Unternehmen sieht die neun Zentren an acht Standorten als Logistikeinheiten. Die Stundenlöhne von anfangs 9,55 Euro lägen am oberen Ende dessen, was in der Logistik bezahlt werde, argumentiert Amazon.

Bereits im vergangenen Weihnachtsgeschäft hatte Verdi zu Ausständen aufgerufen. In diesem Jahr kann die Gewerkschaft die Arbeitskämpfe in drei weiteren Versandzentren organisieren. Somit gab es zuletzt Aktionen in sechs Zentren. Der Standort Brieselang bei Berlin beteiligt sich bislang nicht.

Bsirske soll Anliegen Nachdruck verleihen

Deutschlandweit beschäftigt Amazon nach eigenen Angaben rund 10 000 Menschen, zum Weihnachtsgeschäft helfen rund 9000 Saisonkräfte aus. Ins Verhältnis gesetzt sei die Zahl der Streikenden gering, sagte zuletzt eine Sprecherin des Konzerns. Auswirkungen auf die Lieferkette seien deshalb nicht spürbar. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf das Netz von insgesamt 28 Versandzentren in Europa.

Diesen Freitag will Verdi-Chef Frank Bsirske den Forderungen Nachdruck verleihen: Er soll auf einer Veranstaltung in Bad Hersfeld sprechen.

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