Arbeitskampf : Entscheidende Runde im Metall-Tarifstreit

Im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie kommen die Tarifparteien am Dienstag zur voraussichtlich ausschlaggebenden Verhandlungsrunde zusammen. Scheitern die Gespräche, drohen vom 17. November an flächendeckenden Streiks.

Martin Kannegiesser
Macht erste Zugeständnisse: Martin Kannegiesser, Präsident von Gesamtmetall. -Foto: dpa

SindelfingenIn der heißen Phase des Tarifkonflikts in der Metall- und Elektroindustrie kommen IG Metall und Arbeitgeber an diesem Dienstag zur möglicherweise entscheidenden vierten Verhandlungsrunde zusammen. In Sindelfingen bei Stuttgart wollen IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann und Südwestmetall-Chef Jan Stefan Roell einen neuen Tarifvertrag schmieden. Sollte dies nicht gelingen, droht die Gewerkschaft von 17. November an mit flächendeckenden Streiks in der deutschen Schlüsselindustrie mit 3,6 Millionen Beschäftigten.

Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser deutete kurz vor der entscheidenden Runde noch die Bereitschaft der Arbeitgeber zu Zugeständnissen an. "Wir werden uns nach Kräften bemühen, am Dienstag zu einer Einigung zu kommen", sagte Kannegiesser. "Beide Seiten, die IG Metall genauso wie wir, werden sich jetzt aufeinanderzubewegen."

Die Gewerkschaft verlangt acht Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber bieten bislang 2,1 Prozent mehr Geld für 2009 plus Einmalzahlungen von 0,8 Prozent für November und Dezember 2008.

Huber: “Längere Laufzeiten erweitern die Spielfläche“

IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte am Wochenende erneut ein Entgegenkommen der Gewerkschaft bei der Laufzeit des Tarifvertrags signalisiert. Wenn die Lohnzahl stimme, habe die IG Metall kein Problem damit, über 18 oder gar 20 Monate abzuschließen, hatte Huber der "Wirtschaftswoche" gesagt. Der Frankfurter IG-Metall- Bezirksvorsitzende Armin Schild sagte: "Längere Laufzeiten lösen zunächst mal keine Probleme, erweitern aber für die Verhandler die Spielfläche." Wenn man über einen längeren Zeitraum spreche, sei klar, dass dieser von den Arbeitgebern auch bezahlt werden müsse. "Die müssen dafür in die Tasche greifen."

Kannegiesser bewertete den Vorschlag Hubers für eine längere Laufzeit positiv: "Das ist in jedem Fall ein konstruktives Signal." Die Arbeitgeber fordern angesichts von Auftragseinbrüchen in Teilen der deutschen Metall- und Elektroindustrie allerdings einen flexiblen Abschluss. Es müsse eine Lösung geben, die auch Betriebe mit Schwierigkeiten verkraften könnten, sagte der Chef des Metallverbandes in Nordrhein-Westfalen, Horst-Werner Maier-Hunke.

Kluft so groß wie lange nicht

Die Kluft zwischen Forderung und Angebot ist in der laufenden Runde so groß wie lange nicht, Hofmann und Roell müssen große Brocken aus dem Weg räumen. "Bewegung auf beiden Seiten ist immer nötig, um einen Kompromiss zu erzielen. Aber ob das am Dienstag gelingt, ist völlig offen", sagte ein Sprecher von Südwestmetall. "Wir werden da hingehen und sehr sehr ernsthaft verhandeln."

Sollte es zu keiner Einigung kommen, will der Vorstand der Gewerkschaft bereits am Mittwoch die Verhandlungen für gescheitert erklären und am Donnerstag die Urabstimmung einleiten. Start der unbefristeten Streiks wäre dann laut Huber der 17. November. Die IG Metall Bayern stellt sich bereits auf Streiks ein. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege bei "50 Prozent plus x", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall München, Horst Lischka.

Kleinere Betriebe und Zulieferer leiden besonders

Nach der großen Warnstreikwoche mit bundesweit rund 550.000 Beteiligten in mehr als 2500 Betrieben wurden am Montag die Proteste im stark verringerten Umfang fortgesetzt, so in den Pierburg-Werken in Berlin und Riesa. Im fränkischen Coburg und im bayerischen Rosenheim legten ebenfalls hunderte Beschäftigte die Arbeit nieder. Die baden-württembergische Pilotverhandlung am Dienstag soll dann laut IG Metall vor allem mit Warnstreiks im benachbarten Tarifgebiet Bayern begleitet werden. Dazu habe man mehr als 15.000 Beschäftigte in über 70 Betrieben aufgerufen und Kundgebungen in Nürnberg, Augsburg und München geplant.

"Wir können uns in dieser Zeit keinen Flächenstreik leisten", warnte Maier-Hunke. Es gehe zwar einzelnen Branchen wie Windkraftbetrieben gut. Kleinere Betriebe und Zulieferer litten aber besonders unter den Auftragseinbrüchen. Der Arbeitgeber-Chef geht davon aus, dass der Abschwung in Kürze voll bei den Beschäftigten der Unternehmen durchschlägt. Überstunden und Alturlaub seien oft bereits schon abgebaut. "Wir rechnen damit, dass bald andere Instrumente eingesetzt werden müssen, wie Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung und Kurzarbeit." (sgo/dpa)

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