Arbeitskampf : IG Metall droht mit unbefristetem Streik

Die Arbeitgeber wollen den Lohn der Metaller nur um 2,1 Prozent erhöhen, die IG Metall will jedoch acht Prozent mehr. Sollte es zu keiner Einigung kommen, droht die Gewerkschaftsführer Berhold Huber mit unbefristetem Streik. Unterdessen dauern die Warnstreiks an.

Warnstreik in Bremen
Metaller beim Warnstreik in Bremen: Sie wollen Merkel zum Mond schicken.-Foto: ddp

Neckarsulm/FrankfurtAn ihrem fünften Warnstreik-Tag hat die IG Metall den Arbeitgebern ein Ultimatum gestellt. Wenn bis zur nächsten Verhandlungsrunde am Dienstag in Baden-Württemberg kein besseres Angebot vorliege, sei die IG Metall umgehend zum Streik entschlossen, sagte Gewerkschaftschef Berthold Huber. "Am 11. November gibt es eine Einigung oder es kommt zum Arbeitskampf." Am Mittwoch standen vor allem die deutschen Autobauer im Visier der Warnstreik-Welle.

Er wolle keinen Streik um jeden Preis, betonte Huber. "Wir sind nicht auf Krawall gebürstet." Doch es falle ihm schwer, das bisherige Angebot der Arbeitgeber überhaupt als solches zu bezeichnen. Diese hatten 2,1 Prozent mehr Entgelt plus Einmalzahlungen angeboten, die Gewerkschaft fordert aber ein plus von acht Prozent für die 3,6 Millionen Beschäftigten der wichtigsten deutschen Industriebranche.

Zehntausende legten kurzfristig Arbeit nieder

Am Mittwoch legten erneut zehntausende Metaller vorübergehend ihre Arbeit nieder. Besonders betroffen waren am Mittwoch die Opel-Standorte in Bochum, Eisenach und Rüsselsheim, Daimler-Werke in Baden-Württemberg, Porsche in Stuttgart, Audi in Neckarsulm und Ford im Saarlouis. Rund 2500 Teilnehmer kamen zu einer Kundgebung beim Maschinenbauer Deutz in Köln und legten dafür die Arbeit befristet nieder. In Bayern sollten rund 10.000 Beschäftigte in den Warnstreik treten. Bei einer Kundgebung in Neckarsulm unterstrich Huber die Bereitschaft zum unbefristeten Streik. "Wir sind überall auf einen Streik vorbereitet: von Friedrichshafen bis Kiel und von Emden bis Cottbus", rief Huber den versammelten 6000 Metallern zu.

Huber warf den Arbeitgebern "Schwarzmalerei vor", die nur dazu diene, faire Tariferhöhungen zu verhindern. Denn in der Metall- und Elektroindustrie lagen nach Hubers Worten die Auftragsbestände im dritten Quartal bei durchschnittlich 3,6 Monaten. Das übertreffe noch den Durchschnitt der vergangenen fünf sehr guten Jahre. Der Gewerkschafter sagte in Neckarsulm mit Blick auf die Arbeitgeber: "Sie wollen aus der Finanzkrise ihren Profit ziehen."

Gesamtmetall-Präsident kritisiert Lohnforderung der Gewerkschaft

Die IG Metall sei entgegen anderer Einschätzungen sehr wohl kampffähig, warnte er. Neben einigen Betrieben der Automobilbranche mit Problemen gebe es zahlreiche Unternehmen etwa aus dem Maschinenbau, die sich einen Streik wegen der guten Auftragslage kaum leisten könnten. Die Metaller seien erbittert und schnell zu mobilisieren, um ihren gerechten Anteil zu erstreiten.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser forderte angesichts der konjunkturellen Lage die IG Metall auf, von ihrer Forderung nach acht Prozent mehr Entgelt abzurücken. Diese Größenordnung sei nicht mehr nachvollziehbar, sagte er in Hannover. "Das passt nicht mehr in die Landschaft." Der Konjunkturabschwung habe sich in einem überraschend schnellen Tempo beschleunigt. Die IG Metall müsse sich daher mit ihrer Forderung der wirtschaftlichen Umbruchsituation anpassen.

Massive Warnstreiks am Dienstag

Der Südwestmetall-Chef Jan Stefan Roell zog eine Obergrenze für eine Lohnerhöhung. "Der Abschluss muss signifikant unter dem letzten Abschluss liegen", sagte Roell. 2007 gab es für die Metaller einen Aufschlag von 4,1Prozent für zwölf Monate und anschließend 1,7 Prozent für fünf Monate.

Am Mittwoch lag neben Baden-Württemberg ein Schwerpunkt der Warnstreik-Aktionen in Hessen, wo erneut zahlreiche Betriebe für einigen Stunden lahmgelegt wurden. Viele Beschäftigte beendeten ihre Nachtschichten vorzeitig. Zu einer der größten Aktionen versammelten sich rund 6000 Menschen vor dem Tor des Rüsselsheimer Opel-Werkes. Der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz forderte die Arbeitgeber auf, die Frist der IG Metall bis zum 11. November ernst zu nehmen und auf die üblichen Rituale zu verzichten. Das Rüsselsheimer Werk sei derzeit wegen des Produktionsanlaufs des neuen Modells Insignia das einzige Autowerk in Deutschland, in dem Sonderschichten gefahren würden. "Provoziert uns nicht!", sagte Franz.

Seit dem Wochenende erhöht die IG Metall mit Warnstreiks den Druck. Am Dienstag hatte es mit 162.000 Metallern, die von Flensburg bis München kurzzeitig ihre Arbeit niedergelegt hatten, die bisher massivsten Warnstreiks gegeben. Bis Freitag setzt die Gewerkschaft die Aktionen fort, bevor am 11. November entschieden wird, ob man in den unbefristeten Streik treten will. (bai/dpa)

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