Arbeitskosten : Bei den Nachbarn ist es teurer

Arbeit kostet hierzulande weniger als in Frankreich oder Holland. Das stört deutsche Gewerkschaften. Sie wollen die langjährige Lohnzurückhaltung beendet sehen.

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Berlin - Arbeit in Deutschland kostet derzeit für Unternehmer deutlich weniger als in den nördlichen und westlichen Nachbarländern. 29,20 Euro müssen Arbeitgeber je geleisteter Stunde in der Privatwirtschaft zahlen, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Damit liegt die Bundesrepublik EU-weit auf Rang sieben, hinter Dänemark, Schweden, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden. Weitaus günstiger kommen Arbeitgeber in Osteuropa davon, hier zahlen sie allenfalls die Hälfte der deutschen Kosten, zumeist sogar noch weniger. Aus Sicht des Internationalen Währungsfonds IWF ist das Fundament für weiteres Wachstum solide, er erhöhte die Prognose für die Bundesrepublik.

Arbeitgeber hierzulande zahlen somit 32 Prozent mehr für eine Stunde Arbeit als im Durchschnitt der EU, aber 12 Prozent weniger als im Nachbarland Frankreich. Die teuersten Branchen waren im vergangenen Jahr die Energieversorgung, wo eine Stunde Beschäftigung 44,50 Euro kostet, sowie Banken und Versicherungen mit 43,70 Euro je Stunde. Die niedrigsten Arbeitskosten verzeichnete das Gastgewerbe mit 14,30 Euro.

Die Arbeitskosten, die sich aus Bruttolöhnen sowie den Nebenkosten zusammen setzen, gelten als wichtige Größe im Standort-Wettbewerb. Zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts hatte Deutschland noch mit recht hohen Kosten zu kämpfen und war relativ unattraktiv für Investoren. In der Folge hielten sich die Gewerkschaften bei den Lohnforderungen zurück, hinzu kamen die Arbeitsmarkt-Reformen der Regierung Gerhard Schröder ab 2004. Die Folge war, dass Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zunahm.

Die Unterschiede zwischen den 27 EU-Staaten sind vor allem seit Beginn der Schuldenkrise ein Thema. Deutschland gilt angesichts seines deutlichen Aufschwungs und seiner Produktivitätsvorteile als sicherer Hafen für Investitionskapital. Von den finanziell angeschlagenen Ländern bietet Portugal Unternehmen die besten Bedingungen, bei den Stundenkosten liegt es auf Rang 17. Griechenland auf Rang 13, Spanien auf Rang 12 und Irland sogar auf Rang 10 haben es deutlich schwerer, ihre durch die Sparpolitik gebremste Konjunktur durch Investitionen von außen anzuschieben.

Allerdings ist nicht nur die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre für Deutschland Position verantwortlich. Das zeigt eine Betrachtung der Lohnnebenkosten unabhängig vom jeweiligen Verdienstniveau der Länder. In Deutschland zahlten die Unternehmer Ende 2010 für 100 Euro Bruttolohn 28 Euro an Nebenkosten, etwa für die Sozialversicherungssysteme. Das bedeutet drei Euro weniger als der Durchschnitt und Rang 15, also einen Mittelfeldplatz. Schweden und Frankreich liegen mit 51 und 49 Euro weit darüber, Malta hat mit 10 Euro die geringsten Nebenkosten.

Auf Zustimmung treffen die Zahlen des Statistikamtes bei den Gewerkschaften, die die langjährige Lohnzurückhaltung beendet sehen wollen. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sei „hervorragend“, sagte Gustav Horn, Chef des gewerkschaftsnahen Düsseldorfer Wirtschaftsinstituts IMK. Das lange Zeit geringe Wachstum der Löhne habe zwar der Exportwirtschaft genutzt, zugleich aber der Binnennachfrage kaum Impulse verliehen und zu den Ungleichgewichten in der Euro-Zone beigetragen. Zwar gebe es nun einen leichten Aufwärtstrend bei den Löhnen und beim Konsum, aber „eine dauerhafte Trendwende steht noch aus“, stellte der Ökonom fest.

Der Internationale Währungsfonds IWF ist derweil davon überzeugt, dass der Aufschwung hierzulande anhält. Er hob seine Wachstumsprognose für Deutschland am Montag um 0,3 Punkte auf 2,5 Prozent an. Für kein anderes europäisches Land erhöhte er seine Schätzung so deutlich. 2012 sei mit 2,1 Prozent ein etwas geringeres Plus zu erwarten.

Die IWF-Ökonomen warnten allerdings davor, die Gefahren für die Weltwirtschaft zu ignorieren. Dazu zählten die Schuldenprobleme in der Eurozone, das Risiko eines steigenden Ölpreises sowie die hohen Schulden der USA. Es drohten „destabilisierende Veränderungen“ auf den Anleihemärkten, reduziere Washington nicht entschlossen seine Verschuldung. Ohnehin hätten die Vereinigten Staaten mit einer für US-Verhältnisse geringen Dynamik zu rechnen – die Wachstumsrate schätzt der IWF auf 2,8 Prozent, 0,2 Punkte weniger als zuletzt. Eine Sonderstellung nimmt Japan ein: Dort werde das Wachstum angesichts von Erdbeben und Tsunami nur bei 1,4 Prozent liegen, erklärte der IWF.

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