Wirtschaft : Arbeitskosten: Deutschland auf Platz drei Stunde in der Industrie kostet 35,60 Euro

Berlin - Bei den Exporten ist die deutsche Industrie Europameister. Dass sie den Erfolg zumindest keiner aggressiven Billigstrategie verdankt, zeigt die Arbeitskosten-Rangliste: Dort belegten die Deutschen im abgelaufenen Jahr Platz drei in Europa, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. In absoluten Beträgen zahlten die Firmen des verarbeitenden Gewerbes hierzulande 35,60 Euro je Arbeitsstunde. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies eine Steigerung um 5,1 Prozent. Damit rückte die deutsche Industrie bei den Arbeitskosten sogar etwas näher an die traditionellen Spitzenreiter Belgien und Dänemark heran. Deutliche Entlastungen konnten Länder verbuchen, die nicht zur Eurozone gehören und von einer Abwertung ihrer Währungen profitierten: Für Schwedens Industrie wurde die Arbeitsstunde, in Euro gerechnet, um 5,6 Prozent billiger. Für die britischen Firmen verbilligte sie sich um 9,1 Prozent, für die polnischen um 15 Prozent.

Der starke Kostenanstieg in der deutschen Industrie hing 2009 auch mit der Kurzarbeit zusammen. Viele Firmen drosselten ihre Produktion, reduzierten Überstunden und setzten auf Kurzarbeit, um ihre Mitarbeiter nicht entlassen zu müssen. Der krisenbedingte Rückgang der Arbeitszeit verteuerte die Arbeitskosten pro Stunde. Laut Bundesagentur für Arbeit gab die Beitragskasse 2009 für rund eine Million Kurzarbeiter alles in allem 4,57 Milliarden Euro aus. Das wären pro Kurzarbeiter knapp 4 600 Euro.

Erstaunlich günstig steht die deutsche Wirtschaft nach den Daten des Statistischen Bundesamts bei den Lohnnebenkosten da: Mit 32 Euro Nebenkosten je 100 Euro Bruttolohn blieb sie danach sogar knapp unter dem europäischen Mittelwert. EU-weit fielen hingegen Lohnnebenkosten von durchschnittlich 36 Euro an, errechneten die Statistiker. Am höchsten waren die Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen und der betrieblichen Altersvorsorge mit 50 Euro in Frankreich, am niedrigsten mit neun Euro in Malta. Diese Art des Vergleichs bilde indes nur einen Teil der Realität ab, wendet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ein. Für Deutschland seien dabei nicht die gesamten Sozialbeiträge berücksichtigt, sondern nur der etwa die Hälfte ausmachende Arbeitgeberanteil.

Länder wie Frankreich und Italien (46 Euro) kämen in dieser Rangliste vor allem deshalb auf Spitzenwerte, weil die Sozialabgaben dort vorwiegend allein vom Arbeitgeber abgeführt werden. Letztlich müsse aber auch hierzulande die ganze Abgabenlast – Arbeitgeber- plus Arbeitnehmeranteil – vom Arbeitnehmer erwirtschaftet werden, meinte das Institut der deutschen Wirtschaft. HB/dpa

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