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Arbeitskräftenachfrage : Arbeitslosenzahlen steigen stärker

Rund 2,941 Millionen Menschen waren im Januar ohne Arbeit - ein stärkerer Anstieg als üblich. Gleichzeitig gibt es immer mehr unbesetzte Stellen. Derweil sank die Arbeitslosigkeit im Euroraum.

Die Bundesagentur führt die wachsende Arbeitskräftenachfrage auch auf den Flüchtlingsstrom zurück.
Die Bundesagentur führt die wachsende Arbeitskräftenachfrage auch auf den Flüchtlingsstrom zurück.Foto: dpa

Der deutsche Arbeitsmarkt ist mit einem saisonüblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in das neue Jahr gestartet. Insgesamt seien im Januar 2,941 Millionen ohne Arbeit gewesen - rund 260 000 mehr als im Dezember, berichten Volkswirte deutscher Großbanken. Sie berufen sich dabei auf eigene Berechnungen. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit an diesem Dienstag (2. Februar) bekanntgeben.

Fachleute optimistisch

BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar rechnet saisonbedingt sogar mit noch stärker steigenden Arbeitslosenzahlen. „Im Dezember haben die Firmen wegen des milden Wetters witterungsbedingt kaum Stellen abgebaut. Das holen viele Firmen jetzt nach“, glaubt er. Der Saisoneffekt ist im Januar wegen des witterungsbedingten Abbaus von Stellen auf dem Bau, im Garten- und Landschaftsbau und in der Gastronomie besonders stark ausgeprägt.

Was die weitere Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt angeht, so zeigen sich die Fachleute fast durchweg optimistisch. Bis zum Sommer werde die Zahl der Erwerbslosen saisonbereinigt weiter sinken, prognostizieren sie. Erst dann müsse man in Deutschland wegen der wachsenden Zahl arbeitsloser Flüchtlinge mit einem leichten Anstieg der Erwerbslosen rechnen. Die Volkswirte korrigierten damit ihre in den vergangenen Monaten etwas pessimistischeren Prognosen leicht.

Unbesetzte Stellen auf Rekordniveau

Gestützt wurde der zuversichtliche Ausblick von neuen Daten der Bundesagentur zur Arbeitskräftenachfrage. Danach gab es zum Jahresbeginn so viele freie Stellen wie nie zuvor, berichtete die Nürnberger Bundesbehörde am Montag unter Berufung auf ihren aktuellen Stellenindex BA-X. Der Indikator für den Umfang unbesetzter Stellen sei im Januar mit 211 Punkten auf ein Rekordniveau gestiegen; dies seien vier Punkte mehr als im Dezember 2015.

Flüchtlingsstrom als Wachstumsmotor

Die Bundesagentur führt die wachsende Arbeitskräftenachfrage auch auf den Flüchtlingsstrom zurück. Viele der mit der Unterbringung oder Betreuung von Asylbewerbern beauftragten Betriebe suchten verstärkt nach Mitarbeitern, berichtete die BA. „So ist insbesondere die Zahl der gemeldeten Stellen in der öffentlichen Verwaltung und bei Wach- und Sicherheitsdiensten in den letzten Monaten stark gestiegen.“

Daneben seien noch andere Wachstumsbranchen im Dienstleistungssektor für den Stellenschub verantwortlich. So sei aktuell jede fünfte freie Stelle im Gesundheits- und Sozialwesen und im Handel zu besetzen. Aber auch die Industrie und die ihr zuarbeitenden Dienstleister suchten verstärkt nach neuen Mitarbeitern, berichtete die Bundesagentur. Ein Drittel der Vakanzen werde von Zeitarbeitsunternehmen gemeldet.

Zahlen im Euroraum stimmen positiv

Die Arbeitslosigkeit im Euroraum sinkt weiter: Im Dezember lag die Quote bei 10,4 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit September 2011 und ein Rückgang um 0,1 Punkte gegenüber dem Vormonat, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in Luxemburg mitteilte.

Insgesamt waren in den 19 Ländern mit der Gemeinschaftswährung 16,75 Millionen Menschen ohne Arbeit. In der Europäischen Union insgesamt lag die Quote bei 9,0 Prozent, was 21,944 Millionen Arbeitslosen entspricht.

Die niedrigsten Quoten in der EU meldeten Deutschland und Tschechien mit je 4,5 Prozent. Die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit nannte für Deutschland eine Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent, allerdings für den Januar. Zudem unterscheiden sich die Methoden der Statistiker.

Junge Erwachsene besonders häufig ohne Arbeit

Im Jahresverlauf verbesserte sich die Lage am Arbeitsmarkt in 23 EU-Staaten, in vier Ländern stieg die Quote, in Estland blieb sie unverändert. Besonders häufig sind junge Erwachsene ohne Job. Bei Menschen unter 25 Jahren lag die Quote im Euroraum bei 22,0 Prozent, was 229 000 Männern und Frauen entspricht.

In der EU waren 19,7 Prozent beziehungsweise 426 000 junge Menschen arbeitslos. Insbesondere in Griechenland (48,6 Prozent im Oktober), Spanien (46,0 Prozent im Dezember) und Kroatien (44,1 Prozent im vierten Quartal) war die Jugendarbeitslosigkeit hoch. Deutschland (7,0 Prozent), Dänemark (10,3 Prozent) und Tschechien (10,9 Prozent) wiesen die geringsten Quoten auf.