Wirtschaft : Arbeitslose müssen den Gürtel enger schnallen

BERLIN (bü). Arbeitslose müssen nach den Bonner Sparplänen künftig den Gürtel noch enger schnallen als bisher. Das gilt insbesondere für Bezieher von Arbeitslosenhilfe. Sie haben in den beiden nächsten Jahren nicht nur geringere Steigerungen ihrer "Alhi" zu erwarten, sondern später auch eine geringere Rente.Zur Anpassung: Bisher wurde die Arbeitslosenhilfe (wie auch das Arbeitslosengeld) wie die Renten nach der Entwicklung der Nettoverdienste der Arbeitnehmer heraufgesetzt. In den Jahren 2000 und 2001 soll stattdessen - wie bei den Renten - der Anpassungssatz nur entsprechend der Inflationsrate ausfallen. Das macht nach den bisherigen Erkenntnissen im Jahr 2000 nur ein Plus von etwa 0,7 Prozent, ein Jahr später von 1,6 Prozent.Ein Arbeitsloser, der vorher brutto 4 000 DM im Monat erhalten hat, bekommt im nächsten Jahr nach diesem Modus als Alleinstehender ohne Kind 35 DM pro Monat weniger, als er nach der bisher geltenden Regelung erhalten würde. Als Verheirateter mit einem Kind sind es 46 DM. Im Jahr 2001 steigt das Minus durch die veränderte Anpassungsregel auf 60 bzw. 80 DM monatlich. Arbeitslosengeldbezieher trifftes noch härter (40/54 DM im Jahr 2000; 68/94 DM in 2001).Zur Renteneinbuße: Die Beiträge zur Rentenversicherung, die für Arbeitslose allein aus der Kasse der Bundesanstalt für Arbeit gezahlt werden (für Arbeitslosenhilfeempfänger kommen sie aus Steuermitteln wieder zurück) sollen nicht mehr auf der Basis von 80 Prozent des letzten Bruttogehaltes überwiesen werden, sondern sich nach der Arbeitslosenhilfe richten. Die aber beträgt nur 53 bis 57 Prozent des letzten Nettoverdienstes. Die Folge: Geringere Beiträge ergeben später geringere Rentenansprüche. Bei 4400 DM brutto ergeben sich daraus Rentenminderungen von 23 DM (alleinstehend), 20 DM (verheiratet ohne Kind) beziehungsweise 18 DM (verheiratet mit Kind) - wohlgemerkt: pro Jahr der weiteren Arbeitslosigkeit. Die Anpassungen führen zu weiteren Renteneinbußen. So würde eine Rentenanwartschaft bei einer Anpassung nach bisherigem Modus am 1. Juli 2000 statt auf 2070 DM lediglich auf 2014 DM angehoben. Ein Jahr später macht die Rente statt 2143 DM nur 2032 DM aus. Und von dieser Plattform werden die künftigen Rentenerhöhungen berechnet.

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