Wirtschaft : Arbeitslosigkeit in den USA steigt weiter

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Die Wirtschaftskrise in den USA wirkt sich immer stärker auf den Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten kletterte im November auf 5,7 Prozent von 5,4 Prozent im Oktober. Das war der höchste Stand seit mehr als sechs Jahren, teilte das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Die Konsumenten gewannen hingegen an Vertrauen. Ihre Stimmung stieg leicht von 83,9 auf 85,8 Punkte, ergab eine Umfrage der Universität Michigan. Die japanische Wirtschaft rutschte unterdessen zum dritten Mal innerhalb eines Jahrzehnts in die Rezession.

Im vergangenen Monat registrierte die US-Regierung USA rund 331 000 zusätzliche Erwerbslose außerhalb der Landwirtschaft. Bereits im Oktober hatte es einen scharfen Anstieg um 468 000 Beschäftigungslose gegeben. Seit Beginn der offiziell bestätigten Rezession im März haben 1,2 Millionen Amerikaner ihren Arbeitsplatz verloren. Diese Zahl wird vermutlich in den nächsten Wochen weiter steigen. Nur 16 Prozent der US-Unternehmen planen in den ersten Monaten des kommenden Jahres Einstellungen, ergab eine Umfrage des Instituts Manpower Inc. Im ersten Quartal 2000 wollten noch 27 Prozent ihr Personal aufstocken.

Den größten Teil des Beschäftigungsrückgangs führte das Arbeitsministerium auf die Krise der wichtigsten Industriebranchen zurück. Das Verarbeitende Gewerbe verlor 163 000 Stellen, der Dienstleistungssektor 164 000. Eine weitere Zunahme der Arbeitslosenzahlen wird befürchtet, wenn es in der ersten Hälfte 2002 nicht zu einer deutlichen Konjunkturbesserung kommt. Viele Analysten sehen für den nächsten Sommer schon eine Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent. Während der letzten Rezession 1990/91 waren 7,8 Prozent erreicht worden.

US-Präsident George W. Bush äußerte sich besorgt über die Daten. "Sie unterstreichen, dass wir etwas tun müssen, um die konjunkturelle Sicherheit Amerikas wieder zu garantieren", erklärte er in Washington. Er drängte erneut den Senat, rasch über das von ihm eingebrachte 100-Milliarden-Dollar-Konjunkturprogramm zu entscheiden.

An den Finanzmärkten gab es Spekulationen um eine erneute Leitzinssenkung durch die US-Notenbank Fed. Die Notenbanker werden kommenden Dienstag über die Geldpolitik beraten. An den Anleihemärkten stiegen die Kurse, ein Anzeichen für die Suche der Investoren nach sicheren Anlagen. Der Euro konnte gegenüber dem Dollar an Wert gewinnen. Die US-Börsen gerieten dagegen unter Druck. Daran vermochte auch das von 83,9 auf 85,8 Punkte gestiegene Verbrauchervertrauen nichts zu ändern. Die US-Bürger bestreiten mit ihrem Konsum zwei Drittel der Wirtschaftsaktivität.

Unterdessen wird Japan zum dritten Mal innerhalb eines Jahrzehnts von einer Rezession heimgesucht. Von Juli bis September sank die Wirtschaftsleistung nun schon im zweiten Quartal in Folge, wie die Regierung in Tokio am Freitag mitteilte. Grund war neben der internationalen Konjunkturschwäche, die Exporte erschwert, eine zunehmende Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Angesichts von Massenentlassungen und steigender Arbeitslosigkeit stimmte das japanische Oberhaus einem Not-Programm für die Schaffung von 100 000 Jobs zu. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank den Regierungsdaten zufolge in der Drei-Monats-Periode von Juli bis September um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Von April bis Juni war die Wirtschaftsleistung bereits um 1,2 Prozent zurückgegangen. Mit zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit BIP-Schrumpfung steckt Japan nach allgemein gültiger Definition in einer Rezession.

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