Wirtschaft : Arbeitslosigkeit kostet 166 Mrd.DM

BERLIN (ADN).Die Arbeitslosigkeit hat die Steuerzahler und die Beitragszahler der Sozialversicherungen im vergangenen Jahr rund 166 Mrd.DM gekostet.Das sei Rekord seit der Wiedervereinigung und ein Anstieg von 10,6 Prozent gegenüber 1996, berichtet die in Berlin erscheinende Tageszeitung "Die Welt".Das Blatt beruft sich dabei auf neueste Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg sowie auf Aussagen eines IAB-Direktors.

"Vor zwei Jahren, 1996, lagen die Kosten noch bei 150 Mrd.DM", sagte der Wissenschaftliche Direktor im IAB, Eugen Spitznagel, der Zeitung.Den Finanzämtern und den Sozialkassen seien 1997 pro 100 000 Arbeitslose Ausgaben in Höhe von 2,1 Mrd.DM entstanden und Einnahmen in Höhe von 1,7 Mrd.DM entgangen.Dabei resultierten, so der IAB-Ökonom weiter, "55 Prozent der Kosten vor allem aus den Ausgaben für Arbeitslosengeld und -hilfe, 45 Prozent ergaben sich aus Mindereinnahmen, und zwar jeweils zur Hälfte bei Steuern und Sozialbeiträgen".

Spitznagel sagte weiter, das Ausmaß der Unterbeschäftigung sei 1997 mit rund 6,3 Mill.Erwerbslosen zu beziffern, und zwar aufgeteilt in "4,4 Millionen registrierte Arbeitslose und 1,9 Millionen Personen in der stillen Reserve".Die lang anhaltende Unterbeschäftigung in der Bundesrepublik habe zunehmend "zu einer ungünstigen Struktur der Arbeitslosigkeit geführt".Die Unterbeschäftigung könne nach Ansicht des Arbeitsmarktexperten "nur im Zuge eines mittelfristigen Wachstums- und Investitionsprozesses abgebaut werden, der von arbeitszeitpolitischen und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen begleitet wird".

Spitznagel betonte, daß neben den Kosten der registrierten Arbeitslosigkeit aber auch Ausgaben für die "verdeckte Arbeitslosigkeit" angefallen seien.So hätten allein die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) und die Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung im vergangenen Jahr den Arbeitsämtern rund 20 Mrd.DM gekostet.Auch durch verschiedene vorruhestandsähnliche Regelungen seien Belastungen in Milliardenhöhe entstanden.Insgesamt ließen sich die Kosten der "verdeckten Arbeitslosigkeit" nicht exakt beziffern, weil den Nettokosten "auch die Ergebnisse der Maßnahmen wie die Bildung von Humankapital durch Qualifizierungsmaßnahmen" und die Vermeidung möglicher gesellschaftlicher Folgen wie Kriminalität und Radikalismus gegenüberzustellen seien, meinte der IAB-Experte.

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