Arbeitslosigkeit : Sommerpause auf dem Arbeitsmarkt

Die Zahl der Arbeitslosen steigt saisonbedingt leicht an, soll aber im Herbst unter drei Millionen fallen.

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Berlin - Der Arbeitsmarkt wechselt die Richtung. Im Juli ist die Zahl der Deutschen ohne Job zum ersten Mal seit Februar wieder leicht um 0,1 Prozent auf 7,6 Prozent gestiegen. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mit. Experten hatten den Anstieg erwartet, weil im Sommer viele Firmen Neueinstellungen auf die Zeit nach den Ferien verschieben und sich zahlreiche Schulabgänger vor dem Beginn eines Studiums oder einer Ausbildung arbeitslos melden.

Mit einem Plus von 39 000 auf 3,192 Millionen Arbeitslose fiel das Ergebnis jedoch ein wenig besser aus, als von Experten erwartet. Die hatten einen Anstieg auf 3,2 Millionen vorhergesagt. Rechnet man die saisonalen Effekte heraus, fiel die Zahl der Arbeitslosen allerdings um 20 000, und im Vergleich zum Vorjahr gab es im Juli sogar 271 000 Jobsuchende weniger.

Angesichts dieser Entwicklung betonte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise, dass die deutsche Wirtschaft trotz der Sommerpause weiter auf Erholungskurs sei. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt habe sich weiter verbessert, auch die Kurzarbeit verliere kontinuierlich an Bedeutung. Nach vorläufigen Daten wurde im Mai an 481 000 Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt, im April waren es noch 589 000.

Die Zahl der Erwerbstätigen lag im Juni zuletzt mit 40,37 Millionen um 124 000 über dem Vorjahresniveau. Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gab es nach Hochrechnungen der Bundesagentur im Jahresvergleich sogar einen Zuwachs um 204 000 auf 27,6 Millionen. Das ist ein Plus von 0,7 Prozent.

Noch besser als der Bundesdurchschnitt entwickelte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen in Berlin. Laut der Regionaldirektion Berlin- Brandenburg waren im Mai 2010 in Berlin 1,12 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 13 800 Menschen mehr als im Vorjahr – ein Plus von 1,2 Prozent.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erklärte, der BA-Bericht liefere „gute Gründe, mit Optimismus in den Herbst zu gehen“. Besonders ermutigend sei, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen gesunken sei. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hält es für möglich, „dass wir bei der Arbeitslosigkeit zum Ende dieses Jahres die Drei-Millionen-Marke unterschreiten“. Das glaubt auch Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. „Das Ziel der Vollbeschäftigung ist keineswegs eine Utopie“, sagte er. Unter Vollbeschäftigung verstehen Experten eine Arbeitslosenquote von unter vier Prozent.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hingegen nannte die positiven Zahlen trügerisch. Es sei weiter eine gezielte Investitionspolitik und Stärkung der Binnennachfrage nötig. Das Sparpaket der schwarz-gelben Bundesregierung bewirke aber das Gegenteil. Außerdem finde der Aufschwung zu einem erheblichen Teil im Bereich prekärer Beschäftigung mit niedrigen Löhnen oder befristeten Verträgen statt.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht keinen Grund zur Entwarnung. Ursache für die im Jahresvergleich gesunkene Erwerbslosenzahl sei auch die demografisch bedingte Abnahme der Arbeitskräfte. Außerdem würden Menschen in Trainingsmaßnahmen und Ein- Euro-Jobs nicht als Arbeitslose gezählt. Immer noch seien 4,3 Millionen Menschen in Deutschland unterbeschäftigt – die runde halbe Million Kurzarbeiter nicht eingerechnet.

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