Arbeitsmarkt : Arbeit hat Konjunktur

Die Bundesagentur für Arbeit erwartet künftig noch mehr offene Stellen. Gerade in Berlin und Brandenburg habe sich der Zuwachs an Arbeitsplätzen am besten entwickelt. „Wer Arbeit hat, darf sich ziemlich sicher sein, dass er sie behält", so Bundesarbeitsminister Müntefering.

Bernd Hops

Berlin Die Zahl der Arbeitslosen ist im August kaum zurückgegangen. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, suchten 3,705 Millionen Menschen in Deutschland einen Job. Das waren nur 10 000 weniger als im Juli, die Quote sank um 0,1 Punkte auf 8,8 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren aber gut 666 000 Menschen weniger als arbeitssuchend gemeldet. „Der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland hält an“, schreibt die BA im Monatsbericht August. „Der Arbeitsmarkt hat weiter davon profitiert.“ BA-Chef Frank Weise hob hervor, dass es mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer gebe. Die Zahl der offenen Stellen sei hoch – mit mittlerweile mehr als einer Million. Zudem hat sich die Lage auf dem Lehrstellenmarkt nach Einschätzung der BA etwas verbessert.

Allerdings sehen die Augustzahlen nicht mehr so gut aus, wenn man sie mit früheren Jahren vergleicht. Wie die Bundesagentur einräumte, ging die Arbeitslosenzahl im Schnitt von 2004 bis 2006 jeweils von Juli auf August um 22 000 zurück – also mehr als doppelt so stark wie in diesem Jahr. Volkswirte hatten in den vergangenen Tagen auch mit einem deutlich stärkeren Minus gerechnet. Vor allem hat sich nur der Arbeitsmarkt in den westlichen Bundesländern positiv entwickelt, wenn man die für die Jahreszeit üblichen Schwankungen herausrechnet. Saisonbereinigt stieg laut BA in Ostdeutschland die Arbeitslosenzahl um 7000.

Gut entwickelte sich die Lage in Berlin und Brandenburg. Dort gab es im August insgesamt 6544 weniger Arbeitslose. Auf Jahressicht ist Brandenburg laut BA das Bundesland, in dem es den größten Zuwachs an Arbeitsplätzen gegeben hat. In der Hauptstadtregion wurden vor allem von Zeitarbeitsfirmen und der Industrie zusätzliche Beschäftigte eingestellt.

Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) interpretierte die Zahlen trotzdem insgesamt optimistisch. „Wer Arbeit hat, darf sich ziemlich sicher sein, dass er sie behält. Wer arbeitslos ist, darf begründet hoffen, Arbeit finden zu können“, teilte Müntefering mit. Für die nächsten Monate dürfe man darauf hoffen, „dass es eine deutlich positive Entwicklung am Arbeitsmarkt geben wird“.

DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki sagte dagegen, 3,7 Millionen Arbeitslose seien „noch lange kein Grund zum Jubeln“. Zudem habe sich die Qualität der neuen Jobs nicht verbessert, die Einkommensunterschiede würden zunehmen. „Seine besten Tage hat der Aufschwung bereits hinter sich“, warnte Matecki und forderte ein verstärktes Engagement in Aus- und Weiterbildung.

Joachim Scheide, Konjunkturexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), sagte, die Konjunktur habe sich in den ersten beiden Quartalen des Jahres nicht so gut entwickelt wie gedacht, daher liege auch die Arbeitslosenzahl höher als erwartet. „Es ist aber abwegig von einer Trendwende zu sprechen“, sagte Scheide. „Es wird einen Rückgang der Arbeitslosenzahl mindestens bis Ende nächsten Jahres geben.“ Angesichts der Entwicklung gebe es aber „einen leichten Korrekturbedarf“ bei der Konjunkturprognose für dieses Jahr. Das IfW rechnete bislang mit einem Plus von 3,2 Prozent.

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