Arbeitsmarkt : Berlin stellt ein

Jedes vierte Unternehmen in Berlin plant, in den kommenden Monaten zusätzliches Personal einzustellen. Vor allem Mittelständler wollen wachsen.

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Berlin - Vor allem Firmen mit 21 bis 100 Beschäftigten suchen neue Leute – am ehesten kommen sie aus den Branchen EDV, Maschinen- und Fahrzeugbau, Finanzwirtschaft und Konsum. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Umfrage der Investitionsbank Berlin (IBB) und der Auskunftei Creditreform unter mehr als 1000 Firmen. „Es besteht keine Gefahr, dass der Aufschwung abreißt“, sagte Berlins Creditreform-Chef Jochen Wolfram bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch.

Er stützte sich dabei auf die zuversichtlichen Stimmen in der Umfrage mit Blick auf die kommenden Monate. Jedes zweite Unternehmen gab an, mit steigenden Umsätzen zu rechnen. Damit ist die Stimmung in der Hauptstadt sogar besser als im Bundesschnitt. „Die Firmen, die mit sinkenden Einnahmen rechnen, sind eindeutig in der Minderheit“, sagte Wolfram. Der Aufschwung verlaufe robust und löse sich von den staatlichen und kommunalen Konjunkturpaketen, die im Zuge der Krise 2009 aufgelegt wurden.

Davon zeugen auch die steigenden Gewinne der Mittelständler. Sie stellen das Gros der Wirtschaft, reden aber ungern öffentlich über ihre Ertragslage. 43 Prozent der Firmen berichteten der Studie zufolge von höheren Gewinnen als im Vorjahr. Allerdings ist es für kleinere Firmen oft noch schwierig, von der Bank Kredite zu bekommen – gerade kleine oder junge Unternehmen fürchten eine Ablehnung ihres Antrags. „Je kleiner die Firma, desto größer das Problem auf dem Kreditmarkt“, sagte IBB-Chef Ulrich Kissing. Mittelständler, die sich als Weltmarktführer über Anleihen finanzieren könnten, gebe es in der Hauptstadt noch kaum. Hier prägten kleine, erst vor wenigen Jahren entstandene Firmen das Bild.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) reklamierte den Aufschwung als Verdienst der rot-roten Koalition. „Wir haben die Trendwende geschafft“, erklärte er mit Blick auf die schwachen Jahre der Berliner Wirtschaft bis 2005. Die Wirtschaftsleistung werde in diesem Jahr um drei Prozent steigen, prognostizierte er. Wolf verwies vor allem auf die Erwerbstätigkeit, die in der Hauptstadt stärker steige als in vielen anderen Regionen. Die Anziehungskraft Berlins erkläre auch die Arbeitslosenzahl, die in der Stadt so hoch ist wie nirgends sonst in der Republik. „Anders als die neuen Bundesländer, deren Bevölkerung schrumpft, legt Berlin zu“, befand er. Auch die Zahl der Pendler aus dem Umland wachse Jahr für Jahr. Er hoffe, dass die Arbeitslosenquote in der nächsten Wahlperiode von zuletzt 13,3 Prozent im Juni auf dann zehn Prozent sinken werde. Carsten Brönstrup

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