Arbeitsmarkt : Berliner sind besonders skeptisch

Obwohl die Arbeitslosigkeit weiter zurückgeht, sorgen sich kurz vor dem Jahreswechsel mehr Menschen als noch im Herbst um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze.

Juliane Schäuble

Berlin - Die Deutschen schauen einer Umfrage zufolge wieder skeptischer in die Zukunft. Obwohl die Arbeitslosigkeit sich im kommenden Jahr sogar der Drei-Millionen-Marke annähern könnte, sorgten sich mehr Menschen um ihre Jobs. Das geht aus einer Befragung im Auftrag der Allianz Deutschland AG hervor, die von der Universität Hohenheim durchgeführt wurde und dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt. Für den „Allianz-Zuversichtsindex“ wurden zwischen Oktober und Dezember bundesweit 2000 Menschen interviewt.

Sahen im Oktober dieses Jahres noch 35 Prozent der Befragten die Zukunft Deutschlands optimistisch, so waren es zwei Monate später nur noch 30 Prozent. „Die vielen positiven Nachrichten während des Sommers haben die Erwartungen gesteigert“, erklärt der Hohenheimer Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider. Als dann schlechte Meldungen wie der Bahnstreik oder die Finanzkrise Schlagzeilen machten, seien die Werte abgesackt. Auch die persönliche Zuversicht hat sich zum Jahresende verschlechtert: Schätzten im Oktober noch mehr als die Hälfte der Menschen (55 Prozent) ihre eigene Lage in den kommenden zwölf Monaten optimistisch ein, tun dies aktuell nur noch 48 Prozent. Als „Zuversicht“ definiert Brettschneider die Einstellung, mit einer ungewissen Zukunft fertig werden zu können, nach dem Motto: „Das wird schon werden“.

Besonders die Berliner sind laut der Umfrage skeptisch: Während die persönliche Zuversicht der Hamburger in den vergangenen drei Monaten zugelegt hat, hat die der Hauptstädter abgenommen. Die Hanseaten sind damit die optimistischsten Deutschen, die Berliner landen nur auf dem drittletzten Platz. „Genau umgekehrt sieht es aus, wird nach der Entwicklung Deutschlands gefragt“, sagt Brettschneider (siehe Grafik). In Hamburg, wo viele Menschen ein relativ hohes Einkommen hätten, würden die derzeitigen politischen Weichenstellungen, etwa in der Frage des Mindestlohns, skeptischer als in Berlin beäugt.

„Die gefühlte Lage hat durchaus etwas mit der realen zu tun“, sagt Brettschneider. Denn die persönliche Zuversicht, das zeigt die Umfrage, steigt mit dem verfügbaren Einkommen. 70 Prozent der Menschen, denen netto mehr als 3000 Euro zur Verfügung stehen, haben Vertrauen in die Zukunft, bei denen mit weniger als 1000 Euro sind es nur 27 Prozent. „Das geht durch’s Portemonnaie“, sagt Brettschneider. Eine Ausnahme seien Frauen zwischen 41 und 50 Jahren mit hohem Nettoeinkommen. Trotz ihrer guten Finanzen seien sie am wenigsten zuversichtlich. „Bei vielen ändert sich in dieser Phase der Lebensrhythmus, da die Kinder aus dem Haus sind und viele keinen Beruf mehr ausüben.“ Juliane Schäuble

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