Arbeitsmarkt : Das Jobwunder von Berlin

Die Beschäftigtenzahl in Berlin steigt stärker als in allen anderen Bundesländern, besonders bei Dienstleistern und am Bau.

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Ausputzer. Die Dienstleister, wie diese Reinigungskräfte in der Gedächtniskirche, machen den Großteil der Arbeitnehmer in Berlin aus. Foto: p-a/dpa
Ausputzer. Die Dienstleister, wie diese Reinigungskräfte in der Gedächtniskirche, machen den Großteil der Arbeitnehmer in Berlin...Foto: picture alliance / dpa

Mit seiner zweistelligen Arbeitslosenquote belegt Berlin einen traurigen Spitzenplatz in Deutschland. Am Donnerstag aber stand die Hauptstadt im positiven Licht: Die Zahl der Beschäftigten legte hier so stark zu wie in keinem anderen Bundesland, berichtete das regionale Amt für Statistik. Zum Stichtag Ende März dieses Jahres gab es 1,18 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer in der Stadt, und damit 3,4 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Besonders viele Jobs wurden in der Hauptstadt im Bereich der Dienstleistungen (plus 3,6 Prozent) und am Bau (plus sechs Prozent) geschaffen.

Die Beschäftigtenzahlen in Berlin seien seit fast sechs Jahren ununterbrochen gestiegen, erklärten die Statistiker. „Seit Beginn des Jahres 2010 hat der Beschäftigungsaufbau noch an Dynamik gewonnen.“ Auch das Nachbarland Brandenburg legte zu, allerdings deutlich schwächer als Berlin. Im gesamten Bundesgebiet lag der Zuwachs Ende März bei 2,3 Prozent.

Auch wenn die Zahlen gut klingen, sagen sie nichts über die Qualität der Jobs aus, die in der Hauptstadt entstehen. Die Statistiker konnten keine Auskunft darüber geben, wie viele der Beschäftigten Teilzeit und wie viele Vollzeit arbeiten und ob es sich um Aushilfen oder Facharbeiter handelt. Die Dienstleistungsbranche, also etwa Pflege- und Reinigungsunternehmen, beschäftigt mit rund einer Million die meisten Arbeitnehmer in der Stadt, an zweiter Stelle folgt das produzierende Gewerbe mit knapp 182 000 Arbeitnehmern, darunter knapp 53 000 am Bau. Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) hatten allerdings erst kürzlich erklärt, gut 55 Prozent der Erwerbstätigen in der Region seien Vollzeitbeschäftigte. Zudem stamme der Großteil der zusätzlichen Arbeitsplätze keineswegs aus dem Niedriglohnsektor, stattdessen steige die Nachfrage nach qualifizierten Beschäftigten.

Obwohl sich bundesweit die Dynamik am Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten abgeschwächt hat, sieht es für Berlin weiter gut aus. Der Bundesagentur für Arbeit zufolge stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im August um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun knapp 1,2 Millionen. Damit hat sich auch hier das Wachstum verlangsamt, es liegt aber weiter über dem Bundesschnitt. Diese Zahlen sind jedoch, anders als die Märzwerte, noch geschätzt und damit nicht endgültig.

Auch die Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg rechnet damit, dass sich der positive Trend fortsetzt: „Wir haben eine anhaltend gute Entwicklung am Berliner Arbeitsmarkt“, sagt Sprecher Erik Benkendorf. Zwar komme man in der Hauptstadt von einem deutlich niedrigeren Niveau als andere Bundesländer. „Aber auch im Vorjahr lag unser Wachstum über dem Bundesschnitt“. Als einen Indikator dafür, dass die positive Entwicklung anhalten dürfte, sieht die Arbeitsagentur den starken Zuwachs an gemeldeten Stellen. In den ersten zehn Monaten des Jahres waren es gut 66 000 neue Jobs – ein Plus von knapp 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Außerdem sinkt die Zahl der Menschen in Arbeitsmarktmaßnahmen“, sagt Benkendorf. Arbeitslose, die Weiterbildungen oder Qualifizierungen machen, tauchen nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auf.

Berlins Arbeitssenatorin Dilek Kolat gibt sich ebenfalls zuversichtlich. „Im Moment deuten alle Indikatoren darauf hin, dass die Arbeitskräftenachfrage in Berlin anhalten wird“, sagte die SPD-Politikerin dem Tagesspiegel. Viele Branchen wie die Gesundheitswirtschaft, der Handel und der Tourismus entwickelten sich positiv, die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe seien voll. Nun müsse man dafür Sorge tragen, dass „Betriebe und Erwerbslose zueinanderfinden“, etwa durch „zielgenaue Qualifizierungen“, damit Berlin seine hohe Arbeitslosigkeit abbauen könne.

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