Arbeitsmarkt : Die Krise kostet Jobs

Ein Zuwachs, wie im Juli seit Jahren nicht mehr: Die Zahl der Erwerbslosen steigt, auch in Berlin und Brandenburg. Besonders viele Jugendliche sind betroffen.

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Berlin - Jetzt scheint Europas Finanzkrise auch auf den deutschen Arbeitsmarkt durchzuschlagen. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, stieg die Zahl der Erwerbslosen im vergangenen Monat um 67 000 an. Demnach waren im Juli 2 876 000 Bürger ohne Job. Das sind zwar weniger als noch vor einem Jahr, auch gilt der Juli traditionell als schwieriger Monat. Gleichwohl war der Zuwachs diesmal so kräftig wie seit acht Jahren nicht mehr. Nach einem hoffnungsvollen Frühjahr könnte die Botschaft darum heißen, dass sich die Krise nicht dauerhaft aussperren lässt.

„Das ist noch nicht die Trendwende“, kommentierte dagegen BA-Chef Frank-Jürgen Weise die Entwicklung. In der Tat habe man es mit einer „nachlassenden Dynamik“ zu tun. Allgemein sei die Beschäftigungslage aber nach wie vor sehr gut. Nicht nur liege die Arbeitslosenquote mit 6,8 Prozent so niedrig wie seit 2001 nicht. Es gebe auch eine Vielzahl offener Stellen. Sinkende Arbeitslosenzahlen wollte der BA-Manager allerdings für die kommenden Wochen nicht prophezeien. Und trotz aller beschwichtigenden Argumente ließen die Experten der Agentur bei der Vorstellung ihres Berichts in Nürnberg wissen, dass sie für den Krisenfall gerüstet seien – „unsere Mitarbeiter sind darauf vorbereitet, Firmen etwa zu Kurzarbeit zu beraten.“

Arbeitgeber appellieren an die Politik

Dass sich im Juli erfahrungsgemäß mehr Menschen arbeitslos melden als zu anderen Zeitpunkten, liegt unter anderem daran, dass viele Jugendliche ihre Ausbildung beenden, ohne übernommen zu werden.

Gewerkschaften und Arbeitgeber zeigten sich besorgt über die Entwicklungen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte, die Rezession in einigen EU-Mitgliedstaaten lasse auch die deutschen Unternehmen beim Beschäftigungsaufbau zögern. „Vertrauen kann nur zurückgewonnen werden, wenn die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte in Europa mit größter Ernsthaftigkeit betrieben wird.“

In Berlin lag die Arbeitslosenquote im Juli bei 12,3 Prozent, mit 216 611 waren knapp 4700 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im Juni. Hier legte die Zahl der Arbeitslosen unter 25 überproportional zu. Sabine Bangert, Arbeitsmarktexpertin der Grünen, kritisierte: Für Jugendliche in Berlin sei die Wahrscheinlichkeit, nach der Ausbildung arbeitslos zu werden, größer als die, einen Job zu finden. „Die Arbeitsmarktpolitik scheint ins Leere zu laufen.“ Auch in Brandenburg stieg die Quote leicht auf zehn Prozent an. Dort sind zurzeit 133 615 Menschen ohne Arbeit gemeldet.

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