Wirtschaft : Arbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter

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Im Juni war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Mit 3,724 Millionen Menschen lag sie um 213 800 niedriger als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Vormonat waren 64 000 Menschen weniger arbeitslos, gab der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Bernhard Jagoda, am Donnerstag in Nürnberg bekannt. Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei 9,1 Prozent gegenüber 10,1 Prozent im Vorjahr.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit werde sich weiter fortsetzen und die Quote von 9,1 Prozent in diesem Jahr noch weiter zurückgehen, sagte Jagoda. Er hoffe, dass die Zahlen im Gesamtjahr 2000 stärker als erwartet sinken würden. Ursprünglich war er von einem Rückgang um durchschnittlich 200 000 auf 3,9 Millionen Arbeitslose im Gesamtjahr ausgegangen. Die verbesserte Lage am Arbeitsmarkt sei nicht nur dem Export, sondern auch der anziehenden Inlandsnachfrage zu verdanken.

Der Abbau der Arbeitslosigkeit macht sich vor allem in den alten Bundesländern bemerkbar. Im Westen registrierten die Arbeitsämter Ende Juni 2,426 Millionen Arbeitslose. Das waren 226 800 Arbeitslose weniger als ein Jahr zuvor und 32 600 weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote verringerte sich im Jahresvergleich von 8,4 auf 7,4 Prozent.

In den Neuen Bundesländern sanken die Zahlen zwar gegenüber dem Vormonat, im Jahresvergleich stiegen sie jedoch: Insgesamt wurden 1,297 Millionen Arbeitslose in den Neuen Bundesländern gezählt, 31 400 weniger als vor einem Monat und 13 100 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vorjahr von 16,8 auf 16,5 Prozent. Jagoda macht für die Entwicklung im Osten vor allem den Abbau von Überkapazitäten in der Bauwirtschaft und den Schrumpfungsprozess in Teilen des Öffentlichen Dienstes verantwortlich. "Der Arbeitsmarkt tritt dort weiter auf der Stelle", sagte Jagoda.

In der Region Berlin / Brandenburg waren mit 476 600 erstmals in diesem Jahr weniger Menschen arbeitslos als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote ging von 16,2 auf 15,8 Prozent zurück. "Die Talsohle ist damit erreicht", sagte der Präsident des Landesarbeitsamtes Berlin-Brandenburg, Klaus Clausnitzer. Dies gelte aber nur für Berlin und seinen Speckgürtel. In Berlin waren Ende Juni 258 177 Menschen arbeitslos gemeldet, rund 4000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm von 15,6 auf 15,4 Prozent ab. Im Land Brandenburg waren 218 375 Arbeitslose gemeldet. Das waren knapp 300 mehr als vor einem Jahr. Dass die Arbeitslosenquote trotzdem von 16,8 auf 16,3 Prozent sank, liegt an der insgesamt gestiegenen Anzahl der in der Region beschäftigten Erwerbspersonen.

Sorgen bereitet Clausnitzer vor allem die Jugendarbeitslosigkeit in der Region. Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren nahm im Juni zwar leicht ab, sie lag mit insgesamt 24 300 arbeitslosen Jugendlichen jedoch um 4400 höher als im Vorjahr. Anders 1999 werde das Jugend-Sofortprogramm der Bundesregierung in diesem Jahr aber keine wesentliche Verbesserung bewirken, sagte Clausnitzer. Zwar werde es im gleichem Umfang fortgeführt, es werde jedoch vor allem zur Finanzierung der im vergangenen Jahr begonnenen Maßnahmen dienen.

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