Arbeitsmarkt : Erwerbslosenzahl sinkt unter vier Millionen

Die anhaltend gute Konjunktur hat die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals in diesem Jahr unter die Vier-Millionen-Marke gedrückt. Die Zahl von 3.967.000 bedeutet zugleich den niedrigsten Wert seit Oktober 2002.

Nürnberg - Im Vergleich zum März ist die Zahl der Erwerbslosen um 141.000 gesunken, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA). Vor Jahresfrist waren noch 4.790.000 Menschen ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote sank im April um 0,3 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 11,5 Prozent.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sagte, "der konjunkturelle Aufschwung belebt den Arbeitsmarkt weiterhin kräftig". Zugleich setze sich das Beschäftigungswachstum fort. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag zuletzt mit 26,47 Millionen um 650.000 über dem Vorjahreswert. "Rund 60 Prozent des Zuwachses entfällt auf Vollzeitstellen", erläuterte Weise.

Die Zahl der bei den Agenturen für Arbeit gemeldeten offenen Stellen ist binnen zwölf Monaten um 19,2 Prozent auf 651.000 gestiegen. Hinzu kommen laut Weise rund 272.000 Stellen aus elektronischen und privaten Vermittlungssystemen. Nach einer Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot Ende 2006 sogar bei 1,37 Millionen. Knapp 60 Prozent dieses Angebots sind der BA bekannt. Auf Grund der weiter steigenden Auftragseingänge und des steigenden Produktionsvolumens in der Industrie geht Weise davon aus, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter auf einem hohen Niveau bleibt.

Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit

Besonders erfreulich ist laut Weise der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen unter 20 Jahren um mehr als 30 Prozent auf knapp 75.000. In dieser Altersgruppe liegt die Arbeitslosenquote bei lediglich 4,8 Prozent. Problematisch sei dagegen nach wie vor die Situation bei den älteren Arbeitslosen und den Geringqualifizierten.

In Westdeutschland waren im April 2.605.000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 93.000 weniger als im März und 596.000 weniger als vor einem Jahr. In Ostdeutschland waren 1.362.000 Menschen arbeitslos - 49.000 weniger als im Vormonat und 227.000 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag im April im Westen bei 7,8 Prozent, im Osten bei 15,9 Prozent. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit fiel in diesem April schwächer aus als im Durchschnitt der letzten Jahre. Die BA begründete dies mit dem witterungsbedingt niedrigen Anstieg der Arbeitslosigkeit im vergangenen Winter. Entsprechend schwächer falle die übliche Frühjahrsbelebung aus.

Dies spiegelt sich auch in den saisonbereinigten Erwerbslosenzahlen wider, die nach überproportionalen Rückgängen zu Jahresbeginn im April lediglich um 9000 auf 3,845 Millionen abnahmen. Im Durchschnitt der letzten sechs Monate ergibt sich nach Angaben der BA ein beachtlicher Rückgang um durchschnittlich 77.000 pro Monat.

Für das laufende Jahr rechnet die Bundesagentur mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl zwischen 3,8 und 3,9 Millionen. "Wenn der Mai gut läuft, wird diese Zahl eher bei 3,8 Millionen liegen", sagte Weise. Bei einer weiterhin günstigen wirtschaftlichen Entwicklung sei für das Jahr 2008 auch ein Wert unter 3,5 Millionen denkbar. Allerdings werde die Statistik bis dahin durch das neue Bleiberecht und das Auslaufen der Sonderregelung für Arbeitslose über 58 Jahre belastet. (tso/dpa)

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