Wirtschaft : Arbeitsmarkt: Erwerbslosigkeit steigt im Jahresvergleich

msh

Die Arbeitslosigkeit ist im Juni saisonbereinigt weiter gestiegen. Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ursula Engelen-Kefer, rechnet zwar mit einem Rückgang der absoluten Erwerbslosenzahl um 50 000. Saisonal bereinigt bedeutet das nach Berechnungen von Volkswirten aber ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 10 000 bis 13 000. Die offiziellen Arbeitsmarktzahlen werden heute bekannt. Nach dpa-Informationen ging die Zahl der Jobsuchenden im Juni binnen Monatsfrist um 26 800 zurück. Die Arbeitslosigkeit sank damit nur noch etwa halb so stark wie im Juni 2000. Insgesamt waren den Angaben zufolge im zurückliegenden Monat 3,694 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Verglichen mit Juni 2000 lag die Zahl der Arbeitslosen der Agentur zufolge im Juni 2001 nur noch um 30 300 niedriger. Bestätigt die Bundesanstalt die Zahlen, steigt die Arbeitslosigkeit im sechsten Monat hintereinander. Für das laufende Jahr rechnen Arbeitsmarktexperten mit weiter steigenden Arbeitslosenzahlen. Als Gründe nennen sie die schwache Konjunktur und eine verfehlte Arbeitsmarktpolitik.

Nach Ansicht von Thomas Mayer, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, springt die Konjunktur frühestens am Ende des Jahres wieder an. "Mit sinkenden Arbeitslosenzahlen ist frühestens im ersten Quartal 2002 zu rechnen". Neben einem schwächeren Wachstum macht Mayer die falsche Arbeitsmarktpolitik für den Negativtrend verantwortlich. "In Deutschland hat die Regulierung des Arbeitsmarktes zu-, statt abgenommen." Die Verabschiedung des Betriebsverfassungsgesetzes, die Einschränkungen bei der Verlängerung befristeter Arbeitsverhältnisse oder das Recht auf Teilzeit wirkten sich jetzt negativ aus.

Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München rechnet mit sinkenden Erwerbslosenzahlen im nächsten Jahr nur bei moderaten Lohnabschlüssen. "Lohnrunden unter drei Prozent sind die Voraussetzung für eine Entspannung am Arbeitsmarkt", sagt Willi Leibfritz, Konjukturexperte des Ifo-Instituts. Der Regierung wirft Leibfritz mangelnde Reformbereitschaft vor: "Man hat sich darauf verlassen, dass die Konjunktur das Problem der Arbeitslosigkeit beseitigen wird. Doch der Boom im vergangenen Jahr hat die strukturellen Probleme lediglich überdeckt." Um die hohe Zahl an Langzeitarbeitslosen zu verringern, fordert Leibfritz eine Reform des Sozialsystems und mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt. Durch Öffnungsklauseln in Tarifverträgen sollten mehr Betriebe die Möglichkeit erhalten, Löhne unterhalb des Tarifniveaus zu zahlen. Geringverdiener könnten zudem mit einem Kombilohn, gezahlt von Arbeitgeber und Arbeitsamt, gefördert werden. "Die Arbeitslosen bekommen einen Job, rutschen aber nicht unter Sozialhilfeniveau", sagt Leibfritz.

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