Arbeitsmarkt : Experten: Arbeitslosigkeit zum Jahresende kräftig gestiegen

Im Dezember zeichnet sich in Deutschland ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit ab. Nach Berechnungen von Bankenvolkswirten ist die Zahl der Erwerbslosen im Dezember um rund 110.000 auf 3,325 Millionen gestiegen.

Nürnberg Das seien rund 220.000 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr, berichteten Experten. In den vergangenen drei Jahren war der saisonübliche Anstieg der Dezember-Arbeitslosigkeit nur etwa halb so groß gewesen. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am kommenden Dienstag (5. Januar) bekanntgeben.

Die Experten machen für den kräftigen Anstieg neben dem frühen Wintereinbruch vor allem die weiterhin schwierige Lage der deutschen Industrie verantwortlich. "Ich glaube, dass sich die konjunkturelle Belebung wieder etwas verlangsamt. Die Zuwächse nehmen deutlich ab. Dadurch kommen Firmen auch um einen Stellenabbau nicht mehr herum", ist Glenn Mary von der genossenschaftlichen DZ-Bank überzeugt. Deutlich ansteigen werde die Arbeitslosigkeit aber erst im neuen Jahr - vor allem, wenn es den exportorientierten Auto- und Maschinenbauern weiter an den seit Monaten erhofften Impulsen fehle, meinen auch seine Kollegen.

Bei Arbeitsmarkt-Prognosen für das Jahr 2010 stochern die meisten der befragten Bankenvolkswirte noch im Nebel. Die Mehrzahl von ihnen rechnet mit einer schwierigen ersten Jahreshälfte. "Im neuen Jahr wird sich die Arbeitsmarktlage deutlich verschärfen", prognostiziert etwa Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. Danach könnte sich die Lage verbessern. Skeptisch ist dagegen Stephan Bielmeier von der Deutschen Bank. Er rechnet damit, dass sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten weiterhin verhältnismäßig moderat entwickeln wird. Schwierig könnte es in der zweiten Jahreshälfte 2010 werden. "Wir gehen davon aus, dass dann die konjunkturelle Dynamik nachlässt, weil dann die Notenbanken die Zinsen anheben und Konjunkturprogramme auslaufen". Im November hatte der Arbeitsmarkt in Deutschland wie schon in den vorangegangenen vier Monaten den Folgen der Wirtschaftskrise getrotzt. Die Zahl der Jobsuchenden war auf 3.215.000 gesunken. Das waren 13 000 weniger als im Oktober, aber 227.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,1 Punkte auf 7,6 Prozent ab. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 7,1 Prozent gelegen.

Saisonbereinigt war die Arbeitslosenzahl in Deutschland im November um 7000 auf 3,422 Millionen gesunken. Der Rückgang der um jahreszeitliche Einflüsse bereinigten Erwerbslosenzahl entfiel ausschließlich auf den Westen, im Osten blieb sie konstant. (dpa)

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