Arbeitsmarkt : Frauenförderung gegen Fachkräftemangel

Das deutsche Handwerk will ohne Zuwanderung aus dem Osten mit dem Mangel an Fachkäften fertig werden. Handwerks-Präsident Kentzler sieht bei der Förderung für Frauen großes Potenzial. Eine vorzeitige Öffnung der Arbeitsmarkts stößt auf breite Ablehnung.

BerlinHandwerkspräsident Otto Kentzler will den Facharbeitermangel in Deutschland ohne Zuwanderung aus Osteuropa lösen. Dafür sollen unter anderem mehr Frauen den Meisterbrief erwerben, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Frauen seien ein starkes Potenzial. Schon jetzt sei jeder fünfte neue Handwerksmeister weiblich.

CSU-Chef Edmund Stoiber lehnt die derzeit vom Arbeitsministerium in Berlin geprüfte vorzeitige Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für Menschen aus Osteuropa entschieden ab. "Die vorzeitige Aufhebung der Sperre ist unvernünftig", sagte er "Bild am Sonntag". Der Vorstoß komme "absolut zur Unzeit". Noch immer gebe es eine hohe Arbeitslosigkeit. Stoiber: "Wir müssen zunächst einmal das Potenzial hier ausschöpfen, bevor man früher die Grenzen öffnet als geplant."

Der Parlamentarische Staatssekretär im Arbeitsministerium, Gerd Andres (SPD), hatte vor wenigen Tagen angekündigt: "Wenn es mit dem Arbeitskräftemangel in Deutschland so weiter geht, wäre es denkbar, die Beschränkungen für osteuropäische Arbeitnehmer schon vor dem Jahr 2009 aufzuheben." Dazu hat Bundesregierung aber noch keine Entscheidung gefällt.

Schavan will Einkommengrenze für Zuwanderer senken

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) bekräftigte unterdessen ihre Forderung, die Einkommensgrenzen für die Einwanderung von hochqualifizierten Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten von 85.000 Euro auf 60.000 Euro pro Jahr abzusenken. Deutschland müsse für diese Fachkräfte attraktiv werden, sagte Schavan der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Alle EU-Länder machten sich derzeit Gedanken darüber, "wie sie die besten Talente für sich gewinnen können". In einem früheren Interview hatte Schavan sogar eine Absenkung der Einkommensgrenze bei der Zuwanderung auf 40.000 Euro ins Gespräch gebracht.

Auf den Arbeitsmarkt des Handwerkes bezogen sagte Kentzler: "Bevor wir die Türen nach Osten öffnen, müssen unsere Leute erst einmal eine Chance bekommen". Die guten Fachkräfte aus Polen und Tschechien seien außerdem bereits vergeben: "In Großbritannien oder Irland haben sie ihr Auskommen gefunden." In diesem Jahr erwarte er in seiner Branche voraussichtlich 30.000 zusätzliche Stellen. "Auch unsere Ausbildungszahlen steigen noch einmal deutlich an."

Bundesagentur für Arbeit in der Pflicht

Auch der Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen und Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA), Karl-Josef Laumann, sprach sich in der "Thüringer Allgemeinen" dagegen aus, den Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer aus Osteuropa zu öffnen. Angesichts von 30.000 zumeist älteren arbeitslosen Ingenieuren sehe er zunächst die Unternehmen und die Bundesagentur für Arbeit bei Weiterbildungsmaßnahmen gleichermaßen gefordert.

Deutschland hatte mit dem EU-Beitritt Polens und anderer Staaten 2004 die Arbeitnehmerfreizügigkeit zunächst für zwei Jahre und im vergangenen Jahr für weitere drei Jahre eingeschränkt. Im Mai 2009 könnte die Bundesregierung den Antrag stellen, die Einschränkungen noch einmal um zwei weitere Jahre bis 2011 zu verlängern. (mit dpa)

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