Arbeitsmarkt in Berlin : Jobentwicklung sorgt für Optimismus

In der Hauptstadt sind 2014 zwar deutlich mehr Jobs entstanden als im Vorjahr. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit beunruhigt aber weiterhin Wirtschaftsvertreter.

Thomas Walbröhl
Ein Mann betritt die Agentur für Arbeit in Berlin-Mitte
Im vergangenen Jahr mussten in Berlin weniger Menschen regelmäßig zur Arbeitsagentur, denn der Arbeitsmarkt ist 2014 deutlich...Foto: dpa

Arbeitslose aus Berlin können auf das gerade begonnene Jahr hoffen. Die Zahl der Beschäftigten in der Hauptstadt soll um durchschnittlich 25.000 höher liegen als 2014, wie das Institut für Arbeitsmarkts- und Berufsforschung prognostiziert. Damit würde sich die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt der Bundeshauptstadt fortsetzen: In Berlin waren 2014 durchschnittlich 202.927 Menschen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mitteilte. Mit durchschnittlich 11,1 Prozent lag die Arbeitslosenquote für Berlin 0,6 Prozentpunkte niedriger als 2013.

Berlin liegt bei Arbeitsmarktwicklung im Bundestrend

In der Tendenz entwickelte sich der Berliner Arbeitsmarkt zum Jahresende ähnlich der Situation im gesamten Bundesgebiet. Hier registrierte die BA mit 2,764 Millionen Arbeitslosen den geringsten Dezember-Wert seit der Wiedervereinigung. Der Bestwert aus dem Jahr 1991 wurde um 5.000 Arbeitslose unterschritten. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,4 Prozent. Der für die Jahreszeit übliche Anstieg fiel geringer aus als in den Vorjahren. Im Jahresdurchschnitt 2014 ging die Arbeitslosigkeit um 52.000 auf 2,898 Millionen bei einer Quote von 6,7 Prozent zurück. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte am Mittwoch in Berlin, jetzt gehe es darum, „den Kern der Arbeitslosigkeit zu knacken.“

Hoher Zuwachs bei sozialversicherungspflichtigen Jobs

Jutta Cordt, Leiterin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg zeigte sich vor allem erfreut über den vergleichsweise hohen Zuwachs an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Ihre Zahl stieg verglichen mit 2013 durchschnittlich um 3,3 Prozent. Damit liege Berlin bundesweit an der Spitze. Insgesamt sei die Wirtschaftslage in Berlin sehr stabil und die Berlinere Unternehmen suchten weiterhin Mitarbeiter.

Auch die Berliner Wirtschaft ist für 2015 optimistisch, dass sich die Entwicklung fortsetzt. Insbesondere die Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit sei vielversprechend, kommentierte die Industrie- und Handelskammer. Jeder zweite Arbeitslose, der 2014 eine neue Stelle gefunden habe, sei zuvor ein Jahr oder länger arbeitslos gewesen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen sank im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent auf 66.000.

Die meisten neuen Stellen in der Hauptstadt entstanden nach Angaben der Regionaldirektion in der Informations- und Kommunikationstechnik, in Betrieben für Gebäudemanagement sowie im Hotel- und Gastgewerbe. „Unsere Wachstumsbranchen wie Information und Kommunikation oder Gesundheitswirtschaft werden sich weiter dynamisch entwickeln“, gab sich die Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer zuversichtlich. Sie geht für 2015 von einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent aus. Damit läge Berlin Prognosen zufolge im Bundestrend.

Jugendarbeitslosgkeit bleibt Sorgenkind der Wirtschaft

Trotz des positiven Trends in Berlin – lange war die Bundeshauptstadt mit hoher Sockelarbeitslosigkeit Schlusslicht in offiziellen Statistik – sieht die Wirtschaft noch ausreichend Handlungsbedarf. Vor allem die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen stelle ein großes Problem dar, monieren die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. Deren Zahl sei zwischen Januar und Ende Dezember zwar von knapp 18.000 auf 14.400 zurückgegangen. Die regionalen Arbeitgeber relativieren die Freude von Regionalchefin Cordt darüber, mit einer Quote der Jugendarbeitslosigkeit unter zehn Prozent ihr Ziel erreicht zu haben. Mit 9,3 Prozent sei sie noch immer doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt (4,9 Prozent), heißt es von Seiten der UVB. „In keinem anderen Bundesland liegt die Quote der Jugendlichen ohne Job derart hoch“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. „Politik und Wirtschaft müssen sich weiter intensiv darum kümmern, dass die Lage besser wird.“

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