Wirtschaft : Arbeitsmarkt: Je länger arbeitslos desto wertvoller

Alfons Frese

Ein wenig unfreundlich ist das schon, was Heinrich von Pierer über die Arbeitsämter sagt. Die einzigen von den Ämtern geschaffenen Jobs seien die der 88 000 Arbeitsamtsmitarbeiter, lästert der Siemens-Chef. Diese Einschätzung kann man als Polemik abhaken. Doch wenn Siemens - mit knapp 200 000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber hier zu Lande - nichts mit der Arbeitsverwaltung zu tun haben will, weil deren Leistung nichts taugt, dann sollte das Walter Riester und Florian Gerster alarmieren. Vor allem der künftige Chef der Bundesanstalt braucht Stellungnahmen wie die von Pierers, damit der Reformdruck nicht nachlässt und die Gegner einer Arbeitsmarktreform nicht noch stärker werden.

Zum Thema Online Spezial: Arbeit.los! Wirkliche Veränderungen gibt es erst nach der Bundestagswahl, so hat das der Bundeskanzler angekündigt. Bis dahin riestert es also weiter in der deutschen Beschäftigungspolitik. Zum Beispiel mit Gutscheinen. Demnächst kriegt ein Arbeitsloser einen Gutschein. Aber nur, wenn er mindestens drei Monate arbeitslos ist. Dann ist der Schein 1500 Euro wert. Nach sechs Monaten sind es 2000 Euro und nach neun Monaten sogar 2500 Euro. Der Wert des Arbeitslosen steigt also mit der Dauer der Arbeitslosigkeit. Jedenfalls für den privaten Arbeitsvermittler, denn der soll den Gutschein bekommen, wenn er dem Arbeitslosen einen Job besorgt hat. Hoffentlich ist das auch ein richtiger Job und kein Scheinarbeitsverhältnis, das schon bald wieder beendet wird. Dann wäre der Arbeitnehmer wieder arbeitslos und würde im Laufe der Zeit wieder wertvoller werden. Aber wenn die Gutscheine so missbraucht werden, dann wird Walter Riester bestimmt bald ein Gesetz gegen Scheinarbeitsverhältnisse machen.

So ist das eben mit der Arbeitsmarktpolitik. Sie ist inzwischen fast so übersichtlich und erfolgreich wie die Agrarpolitik der EU. Da blicken auch nur noch die schlausten Bauern durch und zocken die dicksten Subventionen ab. Der Wahnsinn hat Methode: Das System darf keiner durchschauen, denn sonst würden ja die Steuer- oder Beitragszahler merken, wie ihr Geld verschleudert wird. Und das würden die sich wohl nicht gefallen lassen.

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