Arbeitsmarkt : Jeder Vierte arbeitet regelmäßig schwarz

In Deutschland blüht die Schwarzarbeit - knapp 350 Milliarden Euro werden so pro Jahr erwirtschaftet. Dabei mangelt es vielen vor allem am Unrechtsbewusstsein: Nur für rund 20 Prozent der Deutschen ist Schwarzarbeit überhaupt Betrug.

Schwarzarbeit
Auf Großbaustellen sollen künftig ständig Kontrolleure zugegen sein. -Foto: dpa

PforzheimIn Deutschland werden nach Einschätzung des Linzer Wirtschaftswissenschaftlers Friedrich Schneider in diesem Jahr rund 347 Milliarden Euro durch Schwarzarbeit erwirtschaftet. Ein Viertel aller Deutschen arbeite regelmäßig ohne Rechnung, sagte Schneider bei einem Vortrag an der Hochschule Pforzheim. Die Gründe dafür seien die zunehmende Abgabenbelastung, der starre Arbeitsmarkt sowie ein zunehmender Wandel in den Einstellungen und Werten der Deutschen. Nur 22 Prozent der Bürger hierzulande sähen in Schwarzarbeitern Betrüger.

Schwarzarbeit sei nicht nur für den Arbeitnehmer lohnend, sondern auch für den Auftraggeber, sagte Schneider. "Wenn ein Maler eine Stunde schwarz arbeitet, so verdient er zwischen neun und 17 Euro die Stunde. Der offizielle Stundenlohn liegt bei 42 Euro." Die Bundesregierung hatte erst am Mittwoch eine stärkere Bekämpfung der Schwarzarbeit beschlossen. Danach sollen Beschäftigte künftig bei der Arbeit einen Lichtbildausweis dabei haben und nicht mehr den Sozialversicherungsausweis, der nicht fälschungssicher ist. Arbeitgebern sollen Bußgelder drohen, wenn ihre Mitarbeiter keine Papiere vorzeigen können. Auf Großbaustellen sollen durchgehend Kontrolleure eingesetzt werden.

Laut Schneider hat auch das Ausmaß der Korruption in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Er schätzt, dass sie die Bundesrepublik in diesem Jahr 295 Milliarden Euro kosten wird. Der Schaden entstehe vor allem durch eine verminderte Produktivität der Volkswirtschaft: Viele Firmen kämen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge wegen Bestechungsaktivitäten ihrer Konkurrenten mit ihrem eigenen guten Angebot nicht zum Zuge. (jvo/AFP)

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