Arbeitsmarkt : Maschinen für die Halde

Die Bestellungen bei deutschen Herstellern gehen um die Hälfte zurück – jetzt rückt der Jobabbau immer näher.

Carsten Brönstrup

Berlin/Frankfurt am Main - Die weltweite Rezession sorgt in der deutschen Industrie für immer größere Probleme. Die Aufträge der Maschinenbau-Unternehmen gingen im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 49 Prozent zurück, wie der Branchenverband VDMA mitteilte. Im gesamten Jahr werde die Produktion des wichtigsten deutschen Wirtschaftszweigs um 10 bis 20 Prozent zurückgehen, sagte Verbandschef Hannes Hesse. Angesichts der schlechten Lage rückt nun ein Stellenabbau auf breiter Front näher.

Der Maschinenbau, der 975 000 Menschen beschäftigt, verzeichnete noch nie in den vergangenen Jahrzehnten so schlechte Zahlen. Bislang war der VDMA noch von einem Produktionsminus von sieben Prozent ausgegangen. Allerdings sind die Investitionen in neue Maschinen weltweit eingebrochen, was die exportorientierten deutschen Hersteller besonders trifft. VDMA-Chefvolkswirt Olaf Wortmann zufolge gibt es keine Branche, bei der die Bestellungen zunehmen. Besonders extrem sei der Einbruch bei Herstellern von Holzbearbeitungs- und Wälzlagermaschinen. Viele Investoren stünden unter Schock.

Ein Übergreifen der Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt steht damit unmittelbar bevor. Bisher rechnet der VDMA mit einem Abbau von 25 000 Stellen in diesem Jahr. „So viele werden es mindestens“, sagte Wortmann. Der Druckmaschinenhersteller Heideldruck hatte als eine der prominentesten Firmen der Branche kürzlich einen Abbau von 5000 der 20 000 Arbeitsplätze angekündigt.

Laut VDMA setzt die Branche so lange wie möglich auf Kurzarbeit. Bis zu 100 000 Beschäftigte würden bald reduziert arbeiten, hieß es. Dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall zufolge haben die Firmen keine Wahl. „Wenn die Nachfrage nicht rechtzeitig wieder anzieht, werden die Unternehmen, die im Moment einen Personalüberhang finanzieren, zum Stellenabbau gezwungen sein“, sagte Verbandspräsident Martin Kannegiesser dieser Zeitung. „Der Substanzerhalt des Unternehmens hat Vorrang vor dem Arbeitsplatzerhalt.“ Die Wirtschaftsvereinigung OECD rechnet für 2010 mit bis zu fünf Millionen Arbeitslosen.

Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung  zufolge wird es immer unwahrscheinlicher, dass es schon bald wieder Aufschwungtendenzen gibt. „Die Hoffnung der Unternehmen, dass die Krise nur ein paar Quartale dauert, wird zunehmend unrealistischer“, sagte Konjunkturchef Christian Dreger dieser Zeitung. „ Wir müssen uns auf eine länger anhaltende schlechte Entwicklung einstellen.“ Womöglich werde die Wirtschaftsleistung in jedem Quartal bis zum Jahresende schrumpfen – dann wäre die deutsche Wirtschaft insgesamt sieben Quartale in Folge nicht gewachsen. Dem DIW zufolge, das gerade an einer neuen Wirtschaftsprognose arbeitet, könnte die Jahresrate bei etwa minus 4,5 Prozent liegen.

Auch auf den bislang stabilen privaten Konsum greift die Krise über. Im Februar ging der Einzelhandelsumsatz um 0,2 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. „Das derzeit für Autokäufe ausgegebene Geld fehlt an anderer Stelle“, urteilte Commerzbank-Analyst Simon Junker.

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