Wirtschaft : Arbeitsmarkt: Massive Jobverluste in den USA

Die schwache Konjunktur in den USA hinterlässt zunehmend tiefere Spuren am Arbeitsmarkt. Im September ging die Zahl der Beschäftigten um 199 000 zurück, so stark wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, teilte das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Die Arbeitslosenquote blieb allerdings unverändert bei 4,9 Prozent. Die Zahl erfasst unter anderem nur diejenigen, die sich um Arbeitslosen-Unterstützung bemüht haben.

Auch die Auswirkungen der Terroranschläge, die mehr als 100 000 Entlassungen nach sich zogen, sind in den Daten nach Angaben des Ministeriums wahrscheinlich noch nicht erfasst. "Die Oktoberzahlen werden fürchterlich", sagte der Chefökonom der National City Corp in Cleveland. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote im September auf fünf Prozent und einem Beschäftigungsrückgang um 109 000 Stellen gerechnet.

Die September-Zahlen nähern sich den Daten aus der Rezession von 1991 an. Im Februar des Jahres war die Zahl der Beschäftigten in einem Monat schlagartig um 259 000 gefallen. Als erster Regierungsvertreter räumte der Chef-Wirtschaftsberater der US- Regierung, Glenn Hubbard, Anfang der Woche ein, dass sich die US-Wirtschaft wahrscheinlich bereits in der Rezession befindet. Zwischen April und Juni war das Bruttoinlandsprodukt nur noch um 0,3 Prozent gestiegen. Allein in der vergangenen Woche meldeten sich mehr als eine halbe Million Menschen neu arbeitslos. Das war der höchste wöchentliche Anstieg seit neun Jahren. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosen- Unterstützung stieg im Wochenvergleich um 71 000 auf 528 000.

US-Präsident George W. Bush hatte am Donnerstag ein drei Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Mark) schweres Hilfspaket für Arbeitnehmer angekündigt, die wegen der Terrorattacken ihre Jobs verloren haben. Für sie soll die Zahlung des bundesstaatlich gewährten Arbeitslosengeldes von 26 Wochen um weitere 13 Wochen verlängert werden.

Die Maßnahme ist Teil eines bis zu 75 Milliarden Dollar umfassenden Hilfsprogramms, das auch Steuersenkungen umfassen soll. "Wir müssen die Steuern für Verbraucher weiter senken, um ihr Vertrauen zu stärken. Für Unternehmer sind Erleichterungen nötig, um sie zu Investitionen zu ermuntern", sagte Bush.

Die Zuversicht der Verbraucher über die Wirtschaftsentwicklung war im September eingebrochen. Der Index sank auf das niedrigste Niveau seit mehr als fünfeinhalb Jahren, von 114 im August auf 97,6 Punkte.

Aus Deutschland wurden am Freitag hingegen unerwartet hohe Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im August gemeldet. Volkswirte wiesen aber darauf hin, dass die Zahlen wegen der veränderten weltwirtschaftlichen Situation nach den Anschlägen vom 11. September nur eingeschränkte Aussagekraft hätten. Saisonbereinigt nahmen die Auftragseingänge um 1,4 Prozent zu, nachdem sie im Juli um 1,5 Prozent zurückgegangen waren. Das Finanzministerium teilte mit, der jüngste Zuwachs sei ausschließlich der um 2,7 Prozent gestiegenen Inlandsnachfrage zu verdanken.

Die Auftragsvergabe aus dem Ausland war in etwa unverändert, hieß es unter Hinweis auf vorläufige Berechnungen des Statistischen Bundesamtes und der Bundesbank. Im Zwei-Monats-Vergleich Juli und August lag der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe um zwei Prozent unter den beiden Vormonaten. Während die Inlandsaufträge ihren Stand behaupten konnten, schwächte sich die Auslandsnachfrage, die die Konjunktur bisher gestützt hatte, weiter deutlich ab (minus 4,6 Prozent).

Schwächeres Wachstum in Frankreich

In Frankreich hat sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal weiter verlangsamt. Die Pariser Statistikbehörde INSEE korrigierte am Freitag ihre Prognose für den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr von 2,3 auf 2,1 Prozent. Sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal sei das Wachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone um jeweils einen Prozentpunkt niedriger ausgefallen als erwartet. Eine weitere Eintrübung nach den Anschlägen in den USA sei nicht auszuschließen. Die Konjunktur in Frankreich hänge stark vom Konsumverhalten der Bürger ab, heißt es in der Prognose.

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