Arbeitsmarkt : Mehr Jobs für junge Leute

Immer mehr Menschen finden in Deutschland eine Arbeit. In Berlin geht es vor allem den Jungen besser.

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Vor allem in technischen Berufen, in der Pflegebranche und im Hotel- und Gastgewerbe stellen viele Unternehmen neues Personal ein.
Vor allem in technischen Berufen, in der Pflegebranche und im Hotel- und Gastgewerbe wird viel Nachwuchs gebraucht.Foto: dpa-tmn

Eine berufliche Perspektive statt Minderwertigkeitsgefühlen, gesellschaftlicher Ausgrenzung und Zukunftsangst: Für 1700 junge Berliner unter 25 Jahren hat sich 2015 ein großer Traum erfüllt. Nach Monaten oder Jahren ohne Job gehen sie nun einer geregelten Beschäftigung nach – und können ihrem Leben einen Sinn geben. Dass die Jugendarbeitslosigkeit in der Hauptstadt im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent zurückgegangen ist, sei keinesfalls allein auf die gute konjunkturelle Entwicklung im Land zurückzuführen, sagte Jutta Cordt, Chefin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag bei der Vorstellung des Arbeitsmarktrückblicks für das vorangegangene Jahr.

Weiterbildung wichtig

„Die Arbeitsagenturen haben 2015 massiv in die Qualifizierung und berufliche Weiterbildung junger Arbeitsloser investiert“, sagte Cordt. Qualifiziert werde vor allem in den Branchen, in denen es einen hohen Bedarf an Arbeitskräften gebe. Als Beispiele nannte Cordt den technischen Bereich, die Pflegebranche sowie die Hotellerie und Gastronomie. Besonders junge Arbeitslose hätten gute Chancen, mithilfe von Qualifizierungsprogrammen einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden: Rund 70 Prozent, also fast drei Viertel der Geschulten, finden eine Stelle, die in der freien Wirtschaft verfügbar ist und nicht vom Staat gefördert wird.

Neben der sinkenden Jugendarbeitslosigkeit konnte die Regionaldirektion am Dienstag rückblickend auch einen neuen Rekord bei der durchschnittlichen Gesamtzahl der Menschen ohne Job in Berlin vermelden: Sie lag 2015 zum ersten Mal seit 1991 unter 200 000 Personen. Auch bei der Arbeitslosenquote setzte sich die Dynamik fort: Die Hauptstadt ist das zweite Jahr in Folge nicht mehr Schlusslicht im Vergleich der Bundesländer. Diese unrühmliche Rolle kommt Bremen zu.

Berlin und Brandenburg punkten

Aus Sicht von Unternehmer- und Industrieverbänden sind für die positive Entwicklung am Berliner Arbeitsmarkt vor allem die Firmen verantwortlich. Sowohl Brandenburg als auch die Hauptstadt hätten im vergangenen Jahr beim Abbau der Jugendarbeitslosigkeit gepunktet, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), Christian Amsinck. „Das zeigt, dass die Unternehmen bei der Nachwuchssicherung handeln, damit sie auch in Zukunft genügend Fachkräfte haben.“

Auch Christian Wiesenhütter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) hob mit Blick auf die Arbeitsmarktstatistik die Bedeutung der Berliner Unternehmen hervor. „Sie schaffen seit dem Jahr 2012 mehr Jobs als in jedem anderem Bundesland“, sagte Wiesenhütter. „An diesen Erfolgen muss sich die Politik der nächsten Jahre – gerade auch angesichts der Integration der geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt – messen lassen.“

Gute Rahmenbedingungen für Integration von Flüchtlingen

Jede Menge Jobs und weniger Arbeitslose aufs gesamte Jahr gerechnet – was für Berlin gilt, trifft auch auf die ganze Bundesrepublik zu. Im Jahresdurchschnitt 2015 sank die Zahl der Arbeitslosen mit knapp 2,8 Millionen Menschen auf einen historischen Tiefstand. In dieser Zahl zeige sich die gestiegene Flüchtlingszuwanderung allerdings noch wenig, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, in Nürnberg. „Dies dürfte sich aber 2016 ändern.“ Am Jahresende rechnet die BA in ihrer Statistik mit etwa 200 000 arbeitslosen Flüchtlingen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine rasche Integration in den Arbeitsmarkt sind laut Weise gut. Um für Konjunkturrückschläge gewappnet zu sein, lehnt die BA eine Beitragssatzsenkung trotz einer Rücklage von 6,5 Milliarden Euro ab. „Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt hält auch zum Jahresende an“, sagte Weise.

2016 mit positiven Vorzeichen

Zwar sei die Arbeitslosigkeit im Dezember 2015 leicht gestiegen, doch das sei jahreszeitlich bedingt. In dem Monat legte die Arbeitslosenzahl wie für die Jahreszeit üblich um 48 000 auf rund 2,7 Millionen zu. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,1 Prozent. Unter Herausrechnung jahreszeitlicher Schwankungen ging die Arbeitslosigkeit jedoch weiter zurück. Saisonbereinigt gab es laut BA 14 000 Erwerbslose weniger. Banken-Volkswirte hatten einen Rückgang um 6000 erwartet.

Für 2016 rechnen Experten zunächst mit einer weiteren Abnahme der Erwerbslosigkeit. Im Jahresverlauf erwarten sie aber eine steigende Zahl von Arbeitslosen, wenn immer mehr Flüchtlinge nach einer Beschäftigung suchen. Für das Gesamtjahr sagen die Experten neue Höchststände bei Erwerbstätigen und Beschäftigten bei gleichzeitig steigender Arbeitslosigkeit voraus, weil das Arbeitskräfteangebot stark steigt.

Weise verwies auf Einschätzungen des BA-Forschungsinstituts IAB. Deren Experten rechnen damit, dass im Jahresdurchschnitt 2016 etwa 130 000 Flüchtlinge als arbeitslos registriert sind. Am Jahresende könnten es rund 200 000 sein. Im Jahresdurchschnitt steige die Arbeitslosenzahl dadurch insgesamt voraussichtlich um etwa 70 000. (mit rtr)

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