Arbeitsmarkt : Nach fünfjähriger Job-Krise die Trendwende

Am Ende staunten selbst die Optimisten: Mit unerwarteter Rasanz hat sich im Jahr 2006 die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt entspannt.

Nürnberg - Sah im vergangenen Winter alles noch nach einem sechsten Krisenjahr in Folge aus, so konnte die Bundesagentur für Arbeit (BA) im Sommer die Trendwende verkünden. Angeschoben von der guten Konjunktur war die Zahl der Arbeitslosen Monat für Monat teils kräftig gesunken. Am Jahresende waren rund eine Million Menschen weniger arbeitslos als noch im Januar. Für das Jahr 2007 rechnen Arbeitsmarkt-Experten hingegen mit einem verlangsamten Abbau der Arbeitslosigkeit.

Nach vorläufigen Berechnungen waren im Durchschnitt des Jahres 2006 rund 4,53 Millionen Männer und Frauen ohne Beschäftigung; dies waren rund 260.000 weniger als im Mittel des Jahres 2005. Damals hatte die Hartz-IV-Reform mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe und der damit verbundenen Aufdeckung verdeckter Arbeitslosigkeit die Zahl der Erwerbslosen auf einen Jahresdurchschnitt von 4,79 Millionen getrieben. Aber schon zum Jahresende hatten die Zahl der offenen Stellen und die Entwicklung der Erwerbstätigkeit eine Besserung der Arbeitsmarktlage angedeutet.

Der harte Winter zum Jahresanfang hatte diese Entwicklung zwar vorübergehend gebremst und die Zahl der Erwerbslosen im Januar und Februar noch einmal auf mehr als fünf Millionen steigen lassen. Dann aber ging es auf dem Arbeitsmarkt in großen Schritten voran. Allein im Mai sank die Arbeitslosigkeit um 254.000 - dies war der stärkste Rückgang in einem Monat seit der Wiedervereinigung im Jahre 1990. Als schließlich selbst im November die Erwerbslosenzahl um knapp 90.000 sank, räumten selbst Kritiker eine deutliche Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt ein. Im November steigt üblicherweise die Zahl der Erwerbslosen im Schnitt um 40.000 an.

Weltmeisterschaft bringt 50.000 Stellen

Bis zum Frühsommer war freilich selbst im Bundesagentur-Vorstand die Freude über die sinkende Arbeitslosigkeit mit Skepsis gemischt. Die Sorge von Arbeitsmarkt-Experten war groß, dass der Arbeitsmarkt- Aufschwung angesichts mehrerer einmaliger Effekte nur ein Strohfeuer sein könnte. So sind allein mit der Fußballweltmeisterschaft im Sommer rund 50.000 neue Stellen entstanden, wenn auch manche nur auf Zeit. Schließlich schätzen Volkswirte deutscher Großbanken auch den Einfluss von so genannten Vorzieheffekten wegen der Mehrwertsteuer- Erhöhung Anfang 2007 als nicht gering ein.

Inzwischen sprechen selbst skeptische Banken-Volkswirte von einem solide unterfütterten Trend auf dem Arbeitsmarkt. "Bei deutschen Unternehmen gibt es auch zum Jahresende eine unverändert starke Investitionsneigung. Viele Unternehmen sind wegen der guten Auftragslage gezwungen, ihre Produktionskapazitäten auszuweiten", meint etwa Andreas Rees von der HypoVereinsbank in München.

Sinkende Arbeitslosigkeit sorgt für Plus

Die kräftig gesunkene Arbeitslosigkeit hat auch für eine in diesem Ausmaß völlig überraschende Entspannung in der Bundesagentur-Kasse gesorgt. Jahrelang von der Bundesregierung mit Milliarden-Beträgen alimentiert sah sich die BA plötzlich einem Milliarden-Überschuss gegenüber. Dabei hatte BA-Finanzchef Raimund Becker fast im Monatsturnus seine Finanzprognosen korrigieren müssen. Im April war er noch von lediglich 1,8 Milliarden Euro Überschuss ausgegangen. Inzwischen rechnet er mit einem Überschuss von knapp elf Milliarden Euro. Mit einem Großteil dieser Summe wird bis zum Jahr 2010 die Senkung des Arbeitslosenbeitrags finanziert.

Für das kommende Jahre rechnen Arbeitsmarktexperten derweil mit einem weniger rasanten Abbau der Arbeitslosigkeit. So prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für 2007 eine durchschnittliche Jahresarbeitslosigkeit von 4,4 Millionen. Dies wären rund 130.000 weniger als 2006. Das Forschungszentrum der Bundesagentur unterstellt dabei in einer Prognose ein Wirtschaftswachstum von 1,25 Prozent. Dabei sind sich die Arbeitsmarktforscher mit Banken-Volkswirten weitgehend einig, dass sich die erwartete leichte Abkühlung der Konjunktur womöglich erst im Herbst auf den Arbeitsmarkt 2007 auswirken wird. (Von Klaus Tscharnke, dpa)

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