Arbeitsmarkt : Rezession überlagert Frühjahrsbelebung

Im Juni waren 3,41 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind zwar 48.000 weniger als im Mai, aber gegenüber dem Vorjahr stiegen die Zahlen deutlich an.

Im Mai 2008 hatte die Statistik noch 250.000 weniger Arbeitslose ausgewiesen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote sei von Mai auf Juni um 0,1 Punkte auf 8,1 Prozent zurückgegangen. Dieser geringe positive Effekt ist aber lediglich saisonbedingt. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Quote um 0,6 Punkte.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sagte: "Die Rezession der deutschen Wirtschaft hat die Frühjahrsbelebung überlagert." Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sei daher im Juni geringer ausgefallen als in den vergangenen Jahren. Die starke Nutzung der Kurzarbeit habe jedoch die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt gedämpft, sagte Weise. So wurde im Mai bundesweit für 292 000 Menschen Kurzarbeit
gemeldet. Für den Juni rechnet die Bundesagentur mit weiteren 200 000 bis 220 000 Meldungen.

Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen stieg die Arbeitslosenzahl sogar um 31.000. Experten hatten allerdings eine Zunahme um 45.000 erwartet. Im Westen nahm die saisonbereinigte Erwerbslosenzahl um 17.000 zu, im Osten um 9000. In Westdeutschland waren im Juni ingesamt 2,319 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, in Ostdeutschland 1,091 Millionen. Damit belief sich die Arbeitslosenquote im Juni auf 6,9 Prozent, im Osten auf 12,9 Prozent.

Ohne statistische Sondereffekte durch die Änderung der Zählweise im Mai wäre die saisonbereinigte Zahl sogar um schätzungsweise 50.000 gestiegen, teilte die BA mit. 19.000 Arbeitslose, die von privaten Vermittlern betreut werden, werden seither nicht mehr erfasst.

In den ersten sechs Monaten des Jahres verzeichnete die BA ein Minus von 10,15 Milliarden Euro. "Dieses Defizit wird im Moment über die Rücklagen gedeckt", sagte Weise. Bis Juni war im Haushalt ursprünglich ein Fehlbetrag von 10,12 Milliarden Euro eingeplant. Die Behörde hatte in guten Zeiten mit einer Rücklage von 17 Milliarden Euro Vorsorge für eine schlechtere Konjunkturlage getroffen.

ZEIT ONLINE, rf, dpa, Reuters

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