Arbeitsmarkt : Weniger Arbeitslose – nur nicht in Berlin

Die Zahl der Jobsuchenden sinkt unter die Drei-Millionen-Marke. Die Hauptstadt hat allerdings spezielle Probleme. Der Anstieg in Berlin geht darauf zurück, dass die Arbeitsagenturen ihre Hilfs- und Schulungsmaßnahmen zurückfahren.

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Berlin - In der Hauptstadt gehen die Uhren anders als im Rest der Republik. Das zeigen auch die neuen Zahlen vom Arbeitsmarkt: Als einziges Bundesland verzeichnete Berlin einen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Mai – während deutschlandweit der Trend deutlich nach unten zeigt. Die Zahl sank erstmals in diesem Jahr unter die Marke von drei Millionen. 2,96 Millionen sind der niedrigste Mai-Stand seit 1992, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte.

234 661 Menschen hatten in der Hauptstadt zuletzt keine Arbeit – das waren zwar knapp 3600 weniger als im April, aber 2500 mehr als vor einem Jahr. Dabei hatte damals die Erholung von der tiefen Wirtschaftskrise des Jahres 2009 gerade erst eingesetzt. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 13,6 Prozent – das ist der Spitzenwert aller 16 Bundesländer. In allen ostdeutschen Ländern mit Ausnahme Berlins ging die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vorjahr zurück – in Thüringen lag das Minus sogar bei 14 Prozent.

Der Anstieg in der Hauptstadt geht darauf zurück, dass die Arbeitsagenturen ihre Hilfs- und Schulungsmaßnahmen zurückfahren. Knapp 73 000 Berliner nehmen derzeit an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil – im Vergleich zum Mai 2010 ist das ein Rückgang um mehr als ein Viertel. Vor allem bei Beschäftigung schaffenden Maßnahmen setzten die Agenturen den Rotstift an. Es zeige sich, dass „die gute konjunkturelle Entwicklung am Arbeitsmarkt ankommt und auch Arbeitslose davon profitieren“, begründete Margit Haupt-Koopmann, Leiterin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, die Kürzungen. Auch Langzeitarbeitslose hätten eine gute Chance, eine Stelle auf dem regulären Arbeitsmarkt zu finden.

Um diesem Ziel näher zu kommen, wollen zwölf Berliner Job-Center an diesem Mittwoch eine Vermittlungsoffensive starten. 650 Vermittler sollen sich um 65 000 Hartz-IV-Empfänger kümmern, denen die Behörde eine besonders gute Chance auf einen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt zumisst. Als „marktnah“ stufen die Vermittler diese Menschen ein – das bedeutet, dass sie eine reguläre Berufsausbildung haben oder eine vergleichbare Qualifikation, die derzeit von den Unternehmen gesucht wird. Die Arbeitsagenturen hoffen, dass ihnen die Konjunktur beim Abbau der Arbeitslosigkeit weiter helfen wird. „In den nächsten Wochen und Monaten wird der Aufschwung weiter für Entlastung sorgen, Fachkräfte werden dringend gesucht“, sagte ein Sprecher der Regionaldirektion.

In Brandenburg entwickelte sich die Lage deutlich besser als in der Hauptstadt: Knapp 141 000 Menschen ohne Stelle waren im Mai gemeldet, 7000 weniger als im April und 7400 weniger als vor einem Jahr. Die Quote lag bei 10,5 Prozent.

Mit Blick auf die bundesweite Entwicklung rechnet BA-Chef Frank-Jürgen Weise mit dauerhaft weniger als drei Millionen Arbeitslosen in diesem Jahr. Allenfalls ein früher Wintereinbruch könnte die Zahl im Dezember wieder über diese Marke steigen lassen, sagte er in Nürnberg. Beschäftigungszuwächse gab es zuletzt vor allem in den Bereichen Zeitarbeit, wirtschaftliche Dienstleistungen, Gesundheits- und Sozialwesen. Trotz einer leichten Abschwächung der Arbeitskräftenachfrage im Mai sind in den Betrieben weiterhin viele Stellen offen. Arbeitslosen böten sich weiterhin Chancen, sagte Weise. „Inzwischen gehen die Firmen auch schon andere Wege: Sie werben sich immer häufiger gegenseitig Fachkräfte ab.“ Von Vollbeschäftigung will die Behörde aber erst sprechen, wenn die Erwerbslosenzahl unter 1,5 Millionen liegt.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält den Jobmarkt für „topfit“. Die Entwicklung sei nachhaltig und solide. „Der Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind, wenn auch mit etwas gedämpfter Dynamik.“

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