Wirtschaft : Arbeitsmarktexperte der Arbeitgeber schmeißt hin Verwaltungsratschef der Bundesanstalt geht zum TÜV

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Berlin (ce/uwe). Der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Bundesanstalt für Arbeit, Christoph Kannengießer, hat seinen Geschäftsführerposten bei den Deutschen Arbeitgeberverbänden gekündigt. Noch in diesem Monat, so erfuhr der Tagesspiegel aus Verbandskreisen, werde Kannengießer die BDA verlassen und als Hauptgeschäftsführer zum Verband der technischen Überwachungsvereine (TÜV) wechseln. Seinen Posten als Verwaltungsratschef der Bundesanstalt für Arbeit werde er zum Jahresende aufgeben. Kannengießer wollte auf Anfrage seinen Wechsel nicht dementieren, nannte aber keine Motive für den plötzlichen Abgang.

Kannengießer gilt als der profilierteste Arbeitsmarktexperte der Arbeitgeber. Im vergangenen Jahr hatte er als Vorstandsvorsitzender im Vermittlungsskandal der Bundesanstalt für Arbeit als einer der Ersten die Ablösung des damaligen BAPräsidenten Bernhard Jagoda gefordert. Damit habe er den anhaltenden Unwillen des BDA-Hauptgeschäftsführers und CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhard Göhner provoziert, der sich eine schonendere Behandlung des CDU-Mitglieds Jagoda gewünscht habe, hieß es in Verbandskreisen. Den BDA-Präsidenten Dieter Hundt habe der profilierte Sozialexperte als Mitglied der Zuwanderungskommission der Bundesregierung geärgert, als er die ausgesprochen liberalen Positionen des Präsidenten öffentlich relativierte. Ohnehin sei den BDA-Fürsten die öffentliche Präsenz und das Selbstbewusstsein von Kannengießer zunehmend auf die Nerven gegangen, der im vergangenen Jahr in Arbeitsmarktfragen zur ersten Adresse des Arbeitgeberverbandes geworden sei.

Deshalb sei Kannengießer in diesem Frühjahr übergangen worden, als es um einen Posten in der Hauptgeschäftsführung ging. Mitglied der BDA-Hauptgeschäftsführung wurde stattdessen Alexander Gunkel, der verbandsintern als ausgesprochener Experte in allen Fragen der Sozialpolitik gilt, vor allem aber als bescheiden und schlau. Zudem sei er ein loyaler Fahrensmann Göhners.

Neben Kannengießer verlässt nach Informationen dieser Zeitung auch das Mitglied der Hauptgeschäftsführung, Dietmar Heise, die BDA zum Jahresende. Heise war bei den Arbeitgebern für das Fachgebiet Arbeitsrecht zuständig. Dem Mann, der erst vor drei Jahren von der Metro zum Arbeitgeberverband kam, werden ebenfalls Differenzen mit Göhner nachgesagt. Im Gegensatz zu Kannengießer sei Heise vorgehalten worden, zu wenig Außenwirkung zu entfalten.

Für beide Posten ist nach Informationen des Tagesspiegel bislang kein Nachfolger gefunden. Auch über die Neubesetzung des Verwaltungsratsposten bei der Nürnberger Arbeitsverwaltung ist offenbar bisher noch keine Entscheidung getroffen worden.

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