Arbeitsniederlegung bei privaten Bahnunternehmen : Lokführer streiken bis Samstag

Im Tarifkonflikt mit den Konkurrenten der Deutschen Bahn haben am Donnerstag neue Streiks der Lokführer von privaten Bahn-Wettbewerbern begonnen. Die Streiks sollen 47 Stunden lang bis in den frühen Samstagmorgen andauern.

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In der Diskussion: Ein streikender Lokführer besänftigt einen Fahrgast.
In der Diskussion: Ein streikender Lokführer besänftigt einen Fahrgast.Foto: dpa

Eine Sprecherin der Lokführer-Gewerkschaft GDL sagte der Nachrichtenagentur AFP am Morgen, die Streiks seien „gut angelaufen“. Zugleich kritisierte sie, dass die Veolia Verkehr Sachen-Anhalt GmbH mit Aussperrungen bis zum Montag reagiert habe.

„Die Arbeitgeber wollen den Tarifkonflikt tatsächlich auf dem Rücken der Kunden aussitzen“, warf der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky den Firmen am Mittwoch vor. „Die Bilanzen der Unternehmen sind so positiv, dass sie die Lohnsteigerungen spielend verkraften können.“ Die GDL fordert für alle 26 000 Lokführer in Deutschland gleiche Löhne und Arbeitsbedingungen auf dem Niveau des Marktführers Deutsche Bahn. Anfang März hatten die sechs größten Privatbahnen die Verhandlungen über einen Branchentarifvertrag abgebrochen, die Gespräche mit der Bahn sind nach mehreren Streiktagen wieder in Gang gekommen.

Die Privatbahnen sind von dem Streik höchst unterschiedlich betroffen sein – je nachdem, wie stark die GDL in dem jeweiligen Betrieb ist. Beim letzten Streik am Montag waren bei der Odeg, die Strecken in Berlin und Brandenburg bedient, etwa ein Drittel der Züge ausgefallen. „Wir halten das aus, es gibt keinen Anlass, sich zu bewegen“, sagte ein Sprecher der Odeg-Mutter Benex. Stärker betroffen sind Firmen der Veolia-Gruppe, hier ist die GDL stärker vertreten.

Insgesamt sollen von dem neuen Streik nach Gewerkschaftsangaben insgesamt 22 Unternehmen betroffen sein. Trotz der Arbeitsniederlegungen vom Montag verweigerten die Konkurrenten der Deutschen Bahn weiter jegliches Angebot zu inhaltsgleichen Rahmentarifverträgen für Lokomotivführer, begründete die Gewerkschaft den Streikaufruf.

Derweil will sich der Regionalzugbetreiber Keolis, eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, einem Zeitungsbericht zufolge offenbar dem Druck der GDL beugen. Laut „Financial Times Deutschland“ (Donnerstagsausgabe) schrieb Keolis-Chef Hans Leister in einer E-Mail an die Mitarbeiter, er werde „der GDL nunmehr sofort konkrete Verhandlungen anbieten, unabhängig vom Verhalten anderer Bahnen“. Zur Begründung führte Leister demnach die hohen Kosten an, die Keolis durch weitere Streiktage drohen. Den Schaden, der dem Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro allein durch den Streik vom Montag entstanden ist, bezifferte Leister dem Bericht zufolge auf 110.000 Euro. (mit AFP)

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