Wirtschaft : Arbeitsplätze bis 2010 gesichert

Gehaltseinbußen und Nullrunden / Betriebsrat und Wirtschaftsminister loben den Vertrag als Vorbild für den Standort Deutschland

Rolf Obertreis

Rüsselsheim - Die Opel-Werke in Rüsselsheim und Bochum sind definitiv bis Ende 2010 gesichert, betriebsbedingte Kündigungen bis dahin ausgeschlossen. Das garantiert der „Zukunftsvertrag 2010“, den Opel-Chef Hans Demant und Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Freitag in Rüsselsheim unterzeichnet haben. Dagegen ist die Zukunft des Komponenten-Werkes in Kaiserslautern nur vorläufig gesichert. „Der Standort ist langfristig nur mit einem oder mehreren Partnern überlebensfähig. Deshalb werden wir die Suche forcieren“, sagte der Opel-Chef. Im Gegenzug zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze müssen die Opel-Beschäftigten Gehaltseinbußen hinnehmen oder sich mit dem Einfrieren ihrer Bezüge zufrieden geben.

Mit dem in monatelangen Verhandlungen erreichten Zukunftsvertrag ist Opel nach Ansicht von Demant fit für die Zukunft: „Der Vertrag verbessert die Situation des Unternehmens signifikant. Trotzdem wird es angesichts der Entwicklung auf dem Automarkt noch einige Jahre dauern, bis wir uns aus unserer derzeitigen Lage befreit haben.“ Schwarze Zahlen wird Opel demzufolge erst gegen Ende des Jahrzehnts schreiben. Das mit dem Vertrag verbundene Einsparvolumen wollte Demant nicht beziffern. Nach den Vorgaben der Opel-Mutter General Motors sollen die europäischen Töchter Opel, Saab und Vauxhall rund 500 Millionen Euro im Jahr sparen.

Betriebsratschef Franz sprach angesichts des Abbaus von rund 9500 Arbeitsplätzen – davon 6000 über Abfindungen – von schmerzlichen Einschnitten. Andererseits wertet er den Zukunftsvertrag als großen Erfolg nicht nur für die Opel-Mitarbeiter: „Dieser Vertrag ist einmalig in der neueren Industriegeschichte und beweist, dass das deutsche Mitbestimmungsmodell auch in härtesten Krisenzeiten gestaltend eingesetzt werden kann.“ Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sprach von einem „hervorragenden Beispiel“ dafür, dass Vorstände und Betriebsräte gemeinsam eine erfolgversprechende Industriepolitik in Deutschland betreiben könnten.

Gesichert werden die Werke in Rüsselsheim, Bochum und vorerst auch in Kaiserslautern vor allem durch den Zuschlag zum Bau der nächsten Mittelklasse und damit von Opel Vectra, Signum und Saab 9-3 im Stammwerk ab 2008 sowie den Bau des Astra-Fünftürers in Bochum. Allein in Rüsselsheim werden nach Angaben von Franz dadurch pro Jahr 293000 Autos im Drei-Schicht-Betrieb von den Bändern laufen. Das Werk hat damit die Saab-Fabrik in Trollhättan ausgestochen. Nach Angaben der Opel-Mutter General Motors (GM) liegt der Kostenvorteil in Rüsselsheim bis 2010 bei insgesamt rund 200 Millionen Euro.

Schon jetzt können im Stammwerk pro Stunde 60 Autos gebaut werden, in Schweden aber nur 39. Das Werk in Kaiserslautern soll mit der Fertigung von Komponenten ausgelastet werden. Ein weiteres Ziel hat der Betriebsrat allerdings noch nicht erreicht: Ein Zuschlag für die Entwicklung des Astra-Nachfolgers für das Technische Entwicklungszentrum in Rüsselsheim steht noch aus. Eine Entscheidung soll erst in der 2. Jahreshälfte fallen. Opel will sich zudem an der Entwicklung eines GM-Oberklassemodells für Europa beteiligen.

Im Gegenzug zur Standortsicherung müssen die Beschäftigten – auch Vorstand und Management – finanzielle Einbußen hinnehmen. Bislang lagen ihre Bezüge etwa 20 Prozent über dem allgemeinen Niveau der Metallindustrie. In Kaiserslautern werden die Löhne ab sofort um 6,5 Prozent gesenkt. Danach gelten wie in Rüsselsheim rückwirkende Nullrunden. Von 2006 bis 2010 werden Tarifsteigerungen mit einem Abschlag von einem Prozentpunkt weitergegeben. Das Weihnachtsgeld richtet sich ab 2006 nach der wirtschaftlichen Situation von Opel. In Bochum schließlich gibt es bis 2010 Nullrunden, sofern bestimmte Produktionsziele nicht übertroffen werden.

GM-Europa-Chef Fritz Henderson und sein Stellvertreter Carl-Peter Forster blieben der Unterzeichnung des Zukunftsvertrages fern. Sie präsentierten in Trollhättan die Vereinbarung für das schwedische GM-Werk. Dort werden in Zukunft weiter Saab-Modelle, aber auch der neue Cadillac BLS von den Bändern laufen.

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