ARBEITSPLÄTZE : Der Boom macht Pause

Für die Beschäftigten von MAN in München und Salzgitter beginnt das neue Jahr eher gemächlich. Ähnlich ist es bei den Opel-Leuten in Rüsselsheim und Bochum oder bei den VW-Werkern in Emden: Sie müssen nur ein paar Stunden ans Fließband – wenn überhaupt. Angesichts der schwachen Nachfrage haben die Werksleitungen vielerorts Kurzarbeit angesetzt oder die Weihnachtsferien verlängert. Rund 45 000 Beschäftigte sind betroffen.

Das ist zwar wenig im Vergleich zum Krisenjahr 2009, als bis zu 1,4 Millionen Menschen auf Sparflamme arbeiten mussten. Doch es zeigt: Das Jobwunder ist vorerst vorbei. Schon in den vergangenen Monaten hat sich die globale Flaute über die Statistiken der Arbeitsagenturen gelegt: 80 000 Arbeitnehmer haben saisonbereinigt seit dem Frühjahr ihre Stelle verloren. Entlassungen im großen Stil sind für 2013 allerdings nicht zu erwarten. Im Jahresdurchschnitt werden einige zehntausend Menschen mehr arbeitslos sein – das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) etwa rechnet mit einem Plus von 30 000 auf 2,93 Millionen.

Treffen wird der Abbau wohl vor allem Industrie und Bau. Neue Jobs wird es laut IAB nur bei Unternehmensdienstleistern, in Kitas, im Gesundheitssektor sowie in Handel, Verkehr und Gastgewerbe geben. Immerhin werden mit 41,85 Millionen so viele Menschen eine Arbeit haben wie nie zuvor in der Bundesrepublik. Das sind noch einmal fast 200 000 mehr als 2012.

Schuld an der neuen Stagnation ist nicht nur die schwache Konjunktur. Die Effekte der Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre sowie der Lohnzurückhaltung laufen aus. Für Langzeitarbeitslose ist das bitter: Trotz der vielen neuen Stellen gelten sie noch immer als die Problemfälle des Jobmarktes. Das IAB empfiehlt mehr Anstrengungen bei Qualifikation und Förderung – damit Arbeitslose nicht nur eine neue Stelle finden, sondern sie auch auf Dauer behalten. brö

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