Wirtschaft : Arbeitsrecht: Aktuelle Urteile

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Unternehmen müssen bei langjährigen und älteren Mitarbeitern längere Krankheitszeiten hinnehmen. Das geht aus einem Urteil des hessischen Landesarbeitsgerichts in Frankfurt hervor. Die Richter gaben damit der Kündigungsschutzklage eines Graveurs statt (Az: 14 Sa 1845 / 99). Das Unternehmen hatte die Kündigung des seit rund 45 Jahren bei ihm beschäftigten Arbeitnehmers mit jährlichen Fehlzeiten von bis zu 59 Arbeitstagen begründet. Dem Urteil zufolge muss es in solchen Fällen eine Abwägung der Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu Gunsten des Mitarbeiters geben. Auch wenn es sich um ein mittelständisches Unternehmen handele, für das die wirtschaftlichen Belastungen erheblich seien und in der Regel nur jährliche Fehlzeiten von bis zu 35 Tagen toleriert werden müssten, sei die Jahrzehnte lange unbeeinträchtigte Tätigkeit des Graveurs zu berücksichtigen, stellten die Richter fest. dpa

Eine schlechte Auftragslage kann von einem Unternehmen nicht pauschal als Begründung für betriebsbedingte Kündigungen herangezogen werden. Das hat das Arbeitsgericht Frankfurt entschieden. Die Richter gaben damit den Klagen von vier Arbeitnehmern gegen eine Kartonfabrik statt und erklärten deren betriebsbedingte Kündigungen für unwirksam (Az: 7 Ca 4356 / 01). Ein Unternehmen muss nach Auffassung des Gerichts darlegen, wie sich ein Auftragsrückgang und gesunkene Umsatzzahlen konkret auf die betroffenen Arbeitsplätze auswirken, wenn es betriebsbedingte Kündigungen aussprechen will. Darüber hinaus müssten soziale Überlegungen bei der Entscheidung eine Rolle spielen. So seien etwa das Alter, die Betriebszugehörigkeit und Unterhaltsverpflichtungen der von der Kündigung bedrohten Mitarbeiter zu berücksichtigen. Auch dies habe die Kartonfabrik unterlassen.

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