Wirtschaft : Arbeitszeitkontensoll es ab 2006 nicht mehr geben

Corinna Visser

Berlin - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erhöht den Druck auf die Deutsche Telekom. Nach Angaben der Gewerkschaft hat Verdi am Dienstagnachmittag den Arbeitszeitkontentarifvertrag mit der Telekom gekündigt. „Ab 1. Januar 2006 gelten jetzt die herkömmlichen Arbeitszeiten“, sagte Lothar Schröder vom Verdi-Fachbereich Telekommunikation dem Tagesspiegel. Die Telekom habe dann nicht mehr die Möglichkeit, die große Zahl aufgelaufener Mehrarbeit flexibel zu handhaben. „Wir wollen dem Missbrauch der Leistungsbereitschaft der Beschäftigten Grenzen setzen“, sagte Schröder. „Im Januar haben wir dann die vollen Handlungsmöglichkeiten einer Gewerkschaft.“ Bis Redaktionsschluss war nach Angaben der Telekom keine Kündigung bei dem Konzern eingegangen.

Die Telekom hatte Anfang November angekündigt, dass bis zum Jahr 2008 noch einmal 32 000 Menschen den Konzern verlassen sollen, allein 20 000 bei der Festnetztochter T-Com. 3,3 Milliarden Euro will der Konzern dafür ausgeben, denn die Mitarbeiter müssen freiwillig gehen. Noch gilt das im vergangenen Jahr mit Verdi ausgehandelte Beschäftigungsbündnis, worin die Telekom zugesagt hat, auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2008 zu verzichten. Im Gegenzug begnügten sich die Arbeitnehmer bei einer Verkürzung der Arbeitszeit mit nur einem teilweisen Lohnausgleich.

Derzeit hat die Telekom ein Modell mit Arbeitszeitkonten. Nach Angaben der Gewerkschaft schieben die rund 100 000 Beschäftigten der Festnetztochter T-Com im Durchschnitt ein Gleitzeitguthaben von rund 19 Stunden vor sich her. „Wenn man das auf Arbeitsplätze umrechnet bedeutet das: Die Telekom könnte 1200 Beschäftigte mehr unterbringen und müsste somit weniger Personal abbauen“, sagte Verdi-Mann Schröder.

Die Gewerkschaft wolle nach der Kündigung des Arbeitszeitkontentarifvertrags nun mit der Telekom über beschäftigungswirksame Lebensarbeitszeitmodelle und Belastungsschutz für die Beschäftigten verhandeln. Verdi befürchtet, dass nach dem geplanten weiteren Personalabbau die verbliebenen Beschäftigten unter immer stärkeren Arbeitsdruck geraten. „Vor dieser Belastung wollen wir die Mitarbeiter schützen“, sagte Schröder.

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