Arcandor-Chef Thomas Middelhoff : „Weihnachten fällt nicht aus“

Über die Probleme bei Karstadt, die Konjunktur und die Zukunft der Fluglinie Condor spricht Arcandor-Chef Thomas Middelhoff.

Thomas Middelhoff
Thomas Middelhoff muss die Finanzierung des Warenhausgeschäfts neu regeln. -Foto: Mike Wolff

Herr Middelhoff, Sie wollten in der vergangenen Woche eigentlich die Refinanzierung von Karstadt unter Dach und Fach haben. Wie geht es jetzt weiter?

Wir haben in dieser Woche eine weitere Verhandlungsrunde.

Müssen Sie doch über eine Kapitalerhöhung nachdenken?

Das ist völliger Quatsch. Eine Kapitalerhöhung ist nicht geplant. Karstadt trägt 20 Prozent zu unserem Umsatz bei, mehr nicht. Wir lösen unsere Probleme aus eigener Kraft.

Um Kosten zu senken, wollen Sie bis Jahresende 450 der 2000 Arbeitsplätze in der Essener Zentrale streichen. Reicht das?

Das ist der größte Beitrag zur Senkung der Kosten. In der Fläche brauchen wir nicht vor allem niedrigere Kosten, sondern mehr Serviceorientierung und Spezialisierung.

Die Kunden scheinen wenig Lust zu haben, in großen Gemischtwarenläden einzukaufen, sondern gehen lieber ins Shopping- Center. Was macht Sie zuversichtlich, dass es bei Karstadt künftig besser läuft?

Die Häuser, die wir noch haben, kann man nachhaltig weiterführen. Dort, wo wir investiert haben, erreichen wir unsere Renditeziele. Das trifft nicht nur für das KaDeWe zu, sondern auch auf kleinere Häuser. Die heutigen Hertie-Häuser haben sich nicht behaupten können – deswegen haben wir uns von ihnen getrennt.

Schon vor drei Jahren haben Sie angekündigt, an 15 bis 20 internationalen Standorten Luxuskaufhäuser nach dem Vorbild des KaDeWe zu bauen, unter anderem in St. Petersburg, Dubai und Moskau. Daraus ist nichts geworden. Warum nicht?

Ich halte die Pläne nach wie vor für richtig. Wir wollen aber zunächst das Geschäftsmodell Warenhaus in Deutschland weiterentwickeln. International wollen wir an Allianzen arbeiten.

Geht es konkreter?

Nein – haben Sie etwas Geduld.

Der Börse fehlt offenbar die Vision für Arcandor. Der Aktienkurs sinkt seit mehr als einem Jahr. 40 plus x Euro wollten Sie erreichen, jetzt sind Sie bei 3 plus x. Was haben Sie vor, um den Kurs zu retten?

Wir können nur eins tun: Das liefern, was wir zugesagt haben. Am Markt gab es Enttäuschung, als wir unsere Prognose für das kommende Geschäftsjahr gesenkt haben. Das mussten wir, weil die Geschäfte bei Karstadt schlechter laufen als geplant. Aber selbst gemessen an den 1,1 Milliarden Euro Gewinn, die wir jetzt erwarten, ist unser Aktienkurs viel zu niedrig. Trotzdem: Wir konzentrieren uns darauf, das zugesagte Ergebnis abzuliefern, der Rest kommt von alleine.

Wieso verkaufen Sie Karstadt nicht einfach? Und konzentrieren sich auf den Rest?

Das Geschäftsmodell Warenhaus hat Zukunft. Karstadt kann auf Rendite gebracht werden, aber richtig Geld verdient man erst, wenn sich der Markt konsolidiert.

Im Juni 2007 haben Sie angekündigt, Karstadt innerhalb von 18 Monaten an die Börse zu bringen. Steht der Plan noch?

Wir waren weiter, als Sie glauben. Die Verhandlungen mit der britischen Warenhauskette Debenhams waren sehr weit gediehen. Das wäre ja im Prinzip ein Börsengang gewesen.

Und warum hat das nicht geklappt?

Ich möchte nicht in die Details gehen. Wenn es mit Debenhams nichts wird, dann vielleicht mit jemand anderem. Wir müssen uns internationalisieren, und ein Weg wäre, unser Warenhausgeschäft anderswo einzubringen. Wir arbeiten daran. Wir optimieren unsere Kosten und unsere Strukturen in allen drei Bereichen.

Wo sehen Sie Sanierungsbedarf?

In der Tourismus-Sparte Thomas Cook gibt es überhaupt keinen Sanierungsbedarf. Es gibt wenige Unternehmen mit so hohem Cashflow. Beim Versandhandel haben wir viel Geld zusetzen müssen, aber jetzt ist das Unternehmen aus den roten Zahlen – ein Jahr früher als geplant. Nur Karstadt hat leider eine schlechtere Entwicklung genommen. Wir haben neue Marketingkonzepte umgesetzt, die auch richtig sind, aber dabei sind die Kosten aus dem Fokus gerückt. Das ist enttäuschend, keine Frage – aber das rechtfertigt keineswegs die aktuelle Kursentwicklung.

Wenn Sie Ihren Vertrag erfüllen, haben Sie noch ungefähr ein Jahr und drei Monate Zeit, um Karstadt wieder flottzumachen. Reicht das?

Ich denke schon.

Und werden Sie Ihren Vertrag erfüllen?

Ja.

Touristik und Handel sind gleichermaßen konjunkturabhängig. Ist Arcandor dadurch nicht doppelt gefährdet?

Die weltweite Finanzkrise wird auf die Konjunktur in den einzelnen Ländern durchschlagen. In England, einem der Schwerpunkte unseres Touristikgeschäfts, ist das absehbar. Wir haben uns darauf vorbereitet. Aber in unseren Zahlen sehen wir nichts davon, nicht einen Hauch von Krise. Im Gegenteil: Wir legen momentan noch zu. Das Warenhausgeschäft ist ein rein deutsches Geschäft, und dort gilt: Die Weihnachtsumsätze werden nicht unter denen des Vorjahrs liegen.

Das Weihnachtsgeschäft 2007 war allerdings miserabel.

Eben. Wir werden besser sein, über Vorjahr und über Plan. Hinzu kommt, dass unsere Kostenstruktur sich verbessert hat.

Warum sollte das Geld für Geschenke in diesem Jahr lockerer sitzen angesichts der hohen Inflation?

Üppig wird es nicht, aber Weihnachten fällt nicht aus. Weihnachten ist noch nie ausgefallen. Die Menschen verzichten vielleicht auf das neue Auto, aber nicht auf Weihnachten – und, um das gleich dazuzusagen, auch nicht auf den Urlaub.

Wie besorgt sind Sie, was die Konjunktur angeht?

Sehr. Das ist ein psychologisches Thema. Die Konsumenten werden mit Horrormeldungen bombardiert, die sie nicht einordnen können. Was heißt das denn, wenn Lehman Brothers pleitegeht? Die Bürger wissen es nicht und halten ihr Geld zusammen. Das Konsumklima wird sicher nicht besser in den nächsten Monaten.

Es wird nicht nur über die Zukunft der Warenhäuser, sondern auch über Condor spekuliert. Was planen Sie mit Ihrer Fluglinie?

Wir haben alle Zeit der Welt, um zu entscheiden, wie es weitergeht. Condor ist die zweitprofitabelste Fluggesellschaft in Deutschland. Mittelfristig möchten wir keine Fluggesellschaft allein betreiben, weil das nicht in unser Touristikkonzept passt. Aber kurzfristig sehe ich keinen Handlungsbedarf. Condor trägt sowieso nur weniger als zehn Prozent zum Umsatz von Thomas Cook bei. Das ist doch sehr überschaubar.

Mittelfristig heißt, dass unter Ihrer Ägide nichts mehr passiert?

Nein, das heißt, dass wir sehr konsequent, ohne Hektik, an der Umsetzung unserer Ziele arbeiten.

Es gibt schon lange Gespräche über ein Billigflieger-Bündnis aus Condor, der Lufthansa-Tochter Germanwings und Tuifly. Müssen Sie Angst haben, dass sich Tuifly vorher mit Air Berlin zusammentut?

Jeder spricht mit jedem, und jeder spricht öffentlich darüber. Es geht uns nicht darum, schneller zu sein, sondern besser zu sein. Wir lassen uns nicht unter Druck setzen.

Könnte Air Berlin auch für Condor wieder ein Thema werden?

Gegen die Transaktion, die wir verhandelt haben, hatte das Kartellamt Einwände. Außerdem konnte Air Berlin sie wirtschaftlich nicht mehr erfüllen. So schön diese Transaktion gewesen wäre, sie geht so nicht. Mit Air Berlin wird das nichts. Wir haben ja weiterhin eine Wertvorstellung von 400 bis 600 Millionen Euro für Condor.

Noch mal zum Thema Finanzkrise: Sie waren ja für eine Private-Equity-Gesellschaft tätig – worauf würden Sie jetzt setzen?

Ich würde mir unterbewertete Firmen konsequent anschauen, die einen starken Cashflow und noch Wachstum haben. Ich finde auch Unternehmen interessant, die restrukturiert werden müssen, aber da finden Sie im Moment keine Bank, die das finanziert.

Können Sie sich vorstellen, in dieses Geschäft zurückzukehren?

Klar kann ich mir das vorstellen.

Ist das Ihr Plan für die Zeit nach 2009, wenn Ihr Arcandor-Vertrag ausläuft?

Meine Tätigkeit wird mit Private Equity zu tun haben. Mehr sage ich dazu aber nicht.

Das Interview führten Moritz Döbler und Maren Peters.

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